Die Regulation der Routine: Über die regulatorischen Spielräume zur Etablierung nachhaltigen Konsums1 Jakob Kapeller, Bernhard Schütz, Dennis Tamesberger 1. Einleitung Das private Konsumverhalten in Nordamerika und Europa ist eine we- sentliche Determinante sowohl des weltweiten Wirtschaftswachstums als auch des globalen Ressourcenverbrauchs und Emissionsausstoßes. Die- ser Befund legt nahe, dass Strategien nachhaltiger Wirtschaftsentwick- lung versuchen sollten, individuelle und private Konsumroutinen nachhal- tig zu verändern. Aus Sicht einer demokratischen Konsumkultur bieten sich zwei grundsätzliche Möglichkeiten an, Demokratie und Konsum zu verknüpfen. Zum einen kann die Wahlfreiheit im Bereich des privaten Kon- sums als Ausdruck individueller Freiheitsrechte im Sinne der oft beschwo- renen KonsumentInnensouveränität verstanden werden. Zum anderen verweist der Aspekt der Demokratie auch auf die Möglichkeit, durch öffent- liche Regelsetzung jene Fragen zu klären, die sich aus dem Konnex zwi- schen individuellem Handeln und seinen gesellschaftlichen Rahmenbe- dingungen und Folgen ergeben. Demokratie als prinzipielles Argument kann hier also auf zweierlei Arten ins Feld geführt werden, nämlich einer- seits als Argument zur Stärkung individueller Handlungsspielräume oder aber als Ausgangspunkt zur gemeinschaftlichen Regulierung kollektiv re- levanter Problemstellungen. Dieses Spannungsfeld spiegelt sich auch in der Diskussion des Um- gangs mit den ökologischen Folgen privaten Konsumsverhaltens wider, in der im Wesentlichen zwei Strategien zur Wahl stehen: zum einen die For- cierung einer verstärkten individuellen Bewusstseinsbildung durch einen entsprechenden gesellschaftlichen Diskurs und ein umfassendes Infor- mationsangebot zur Etablierung nachhaltiger Konsumpräferenzen in wei- ten Teilen der Bevölkerung; zum anderen die Option einer verstärkten ge- setzlichen Regulierung ökologisch relevanter Parameter im durchaus breit gefächerten Konsumgütersektor. Dabei sind diese beiden Ansätze nicht notwendigerweise in permanentem Konflikt, sondern in vielen Fällen durchaus komplementär. So korreliert etwa die Bereitschaft zu umwelt- 207 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft