ten. Es wird hier geschätzt, dass dieses Programm (in Verbindung mit dem Kennzeichnungssystem) einen Anstieg der Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 9,5% bewirkt hat. Die Swedish Environmental Protection Agency22 stellt in einem Report dem Top-Runner-Programm ein sehr posi- tives Zeugnis aus: Die Unternehmen halten sich an die vorgegebenen Standards (übererfüllen diese teilweise) und bringen energiesparende In- novationen schneller auf den Markt, womit diese Form der Regulierung durch eine Reduktion des Energieverbrauchs bei gegebenem Konsumni- veau zu einer nachhaltigen Konsumkultur beiträgt. Zentrales konzeptio- nelles Element ist hierbei die dynamische Gestaltung der vorgesehenen Standards, die die Kategorie der Energieeffizienz als relevante und imma- nente Wettbewerbsdimension etabliert. Zusammenfassend lässt sich das Top-Runner-Modell wie in Tabelle 2 bewerten. 4.2 Nachhaltigkeit durch langlebigere Konsumgüter: Gewährleistungsfristen und Produkthaltbarkeit Häufig wird die Nutzungsdauer von Produkten als unzureichend oder sogar als rückläufig empfunden.23 Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Zum einen unterliegen Produkte der relativen Obsoleszenz, d. h. sie wer- den aus Gründen der Gewöhnung und der Präsenz innovativer Alternati- ven als nicht mehr ausreichend attraktiv wahrgenommen und deshalb von den KonsumentInnen ersetzt. Verantwortlich hierfür können insbesondere wechselnde Moden sowie die technische Überlegenheit neuerer Produkte sein.24 Der Produktaustausch erfolgt allerdings nicht immer „freiwillig“. Wird ein Produkt ersetzt, weil es nicht mehr bzw. nur mehr eingeschränkt funktionsfähig ist, so spricht man von absoluter Obsoleszenz.25 Absolute Obsoleszenz kann entweder für den Hersteller ungewollt eintreten (dies wird in der Regel der Fall sein, wenn Mängel am Produkt innerhalb der Ge- währleistungs- bzw. Garantiefrist auftreten), von diesem zwar nicht ge- wollt, aber gebilligt sein (wenn etwa zugunsten niedrigerer Preise die Pro- duktqualität reduziert wird) oder aber auch vorsätzlich herbeigeführt werden. Bei Letzterem spricht man von geplanter Obsoleszenz.26 Diese Vorgehensweise hat für die jeweilige Branche den Vorteil, höhere Umsatz- zahlen generieren zu können. Der erste dokumentierte Fall von geplanter Obsoleszenz ereignete sich im Jahre 1924, als sich die führenden Herstel- ler von Glühbirnen darauf einigten, die Lebensdauer ihrer Produkte auf 1.000 Stunden zu beschränken. Geplante Obszoleszenz ist jedoch schwer beweisbar und kann rechtlich nur schwer verfolgt werden27 und ist, besonders aus Sicht des „souveränen“, d. h. auf sich alleine gestellten Konsumenten mit hohem Aufwand verbunden.28 Umgekehrt ist die Aus- weitung des Nutzungszeitraums bis zum Eintritt absoluter Obsoleszenz bei Konsumgütern von hoher ökologischer Relevanz, da sie zur Mehr- und 215 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft