Wiederverwendung von Produkten beiträgt. Aus regulatorischer Perspek- tive bieten sich hierzu zwei grundsätzlich komplementäre Strategien an: Die erste besteht in der Verlängerung der gesetzlichen Gewährleistungs- frist;29, 30 die zweite in der Erweiterung des bestehenden Konzeptes des Top-Runner-Programms um das Kriterium der Produkthaltbarkeit. Einem solchen Programm unterliegende Produkte müssen in produktrelevanten Haltbarkeitskriterien gewisse Mindeststandards erfüllen. Bei Kleidung könnte etwa eine Mindestanzahl an Waschgängen festgelegt werden, bei Mobiltelefonen hingegen eine Mindestanzahl an Aus- und Einschaltvor- gängen, eine zeitlich bestimmte aktive Nutzungsdauer oder eine gewisse Mindestfallhöhe, die unbeschadet überstanden werden muss. Wie diese beiden Beispiele veranschaulichen, sind die Möglichkeiten hier vielfältig und differieren von Produkt zu Produkt. Im Fall eines Nichteinhaltens die- ser Standards könnten die gleichen Sanktionen Anwendung finden wie im bereits bestehenden Top-Runner-Programm. Die Beschäftigungseffekte einer solchen Reorientierung im Konsumgü- tersektor sind dabei schwer prognostizierbar. Höhere Auflagen schaffen dabei eine Reihe neuer Arbeitsplätze in den Bereichen Forschung/Ent- wicklung, Instandhaltung und Reparatur,31 die negativen Beschäftigungs- effekten in der Produktion durch geringere Absatzzahlen gegenüberste- hen. In diesem Kontext scheint eine allgemeine Verkürzung der Arbeits- zeit ein probates Mittel, um Arbeit besser aufzuteilen (siehe auch Ab- schnitt 4.6). Eine weitere Option, um im Zusammenhang mit der Verlänge- rung der Nutzungsdauer von Konsumgütern zusätzliche Arbeitsplätze zu generieren, besteht in der Förderung öffentlicher – auf gewisse Produkt- klassen spezialisierter – Reparaturwerkstätten.32 Tabelle 3: Bewertung Fallbeispiel langlebigere Konsumgüter Nachhaltigkeits- dimension Kriterium Bewertung Kommentar Ökonomisch Beschäftigung o Negative und positive Beschäfigungsimpulse Innovations- fähigkeit + Längere Produkthaltbarkeit Ökologisch Effizienz + Bessere Ressourcennutzung Suffizienz + Reduktion des absoluten Stoffverbrauchs/Müllver- meidung Konsistenz + Höhere Wiedernutzung der entsprechenden Güter Sozial Wohlstands- verteilung + KonsumentInnen sparen sich das Geld für Neuan- schaffungen Partizipations- möglichkeiten o/+ Erweiterung hinsichtlich einer stärkeren Einbindung der Bevölkerung denkbar (zB Einrichung einer Ombudsstelle) Quelle: eigene Darstellung. 216 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2