eine Arbeit aufnehmen.59 Bei einer generellen Arbeitszeitverkürzung von 39 auf 35 Stunden könnte die Zahl der Beschäftigten in Österreich um 130.000 Personen ansteigen (kostenneutrales Szenario).60 All diese Ar- gumente sprechen für das hohe Potenzial von Arbeitszeitverkürzung als regulatorische Maßnahme, um Umweltbelastungen zu verringern, Ar- beitslosigkeit zu senken und auch die Lebensqualität der Bevölkerung zu steigern.61 Zusammenfassend lässt sich eine allgemeine Arbeitszeitver- kürzung wie in Tabelle 7 bewerten. 5. Fazit Der vorliegende Beitrag plädiert für den verstärkten Einsatz regulatori- scher Strategien mit dem Ziel, eine nachhaltigere Konsumkultur zu eta- blieren. Dabei wurde argumentiert, dass diese den individualistischen Ansätzen zu KonsumentInnenerziehung und Bewusstseinsbildung über- legen sind, weil (1) KonsumentInnen in ihren Entscheidungen aufgrund ihres Eingebettetseins in ein soziales Umfeld nicht souverän sind, (2) die- se durch die Komplexität der Materie systematisch überfordert sind und (3) individuelles Handeln ineffektiv ist, da es sich beim vorliegenden Thema um ein Kollektiv(gut)problem handelt, welches einer bewussten Koordination auf Makroebene bedarf. Aufbauend auf diesen Einsichten wurden einige Regulierungsvorschläge diskutiert. Neben den spezifischen Ergebnissen der einzelnen Fallstudien zeigte diese Auseinandersetzung auch, dass es sich bei der Gegenüberstellung von individueller Handlungsfreiheit und KonsumentInnensouveränität mit kollektiven Regulierungsinitiativen nur um einen scheinbaren Widerspruch handelt. Vielmehr wird die individuelle Entscheidungs- und Wahlfreiheit in vielen Beispielen durch regulatorische Vorgaben unterstützt (etwa im Fall des Top-Runner-Programms oder der Einführung von Mehrweggebinden, die das Produktsortiment um ökologisch erstrebenswerte Aspekte erwei- tern und damit zusätzliche Wahlmöglichkeiten schaffen). Dies ist keines- wegs überraschend, wenn man bedenkt, dass Regulierung als solche nie- mals absent ist: Auch die völlige Freigabe der Gebindewahl wäre beispielsweise eine Form der Regulierung – und zwar eine Variante, in der großen Handelskonzernen ein umfassender Handlungsspielraum zuge- teilt wird. Hier können regulatorische Initiativen KonsumentInneninteres- sen aufwerten, die ansonsten aus betriebswirtschaftlichen Gründen ne- giert würden. Irgendeine Form der Regulierung ist also immer präsent. Wenn also dieser Beitrag von „mehr Regulierung“ oder einer „höheren Re- gulierungsintensität“ spricht, sind zwar zumeist präzisere Regelwerke als die bestehenden gemeint, es geht dabei aber im Kern um alternative und nicht um umfassendere Regulierung. Da also ökonomische Aktivitäten 226 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2