BERICHTE UND DOKUMENTE Aktuelle Trends in der Besteuerung von Vermögen. Österreich im inter- nationalen Vergleich Philipp Gerhartinger 1. Einleitung Vermögensbezogene Steuern und insbesondere eine allgemeine Vermö- gensteuer sind wieder vermehrt The- ma im öffentlichen Diskurs. In Zeiten, in denen fiskalische Spardisziplin zum obersten (wirtschafts-)politischen Ziel hochstilisiert wird, kann die (Wieder-) Einführung von Vermögensteuern eine wirksame Entlastung der öffentlichen Haushalte bieten. Vielfach vergessen in der Diskussion wird die Tatsache, dass es mehr als eine Möglichkeit zum Ausgleich eines Staatshaushaltes gibt. Neben der Möglichkeit zur Aufnahme neuer Kredite, welche in der Diskussi- on – auch in Zeiten historisch niedriger Zinsen – vielfach per se ausgeschlos- sen wird, und dem radikalen Kürzen staatlicher Ausgaben, typischerweise im Bereich Sozialstaat und Infrastruk- tur, wird häufig ausgeblendet, dass sich ein Staatshaushalt auch über zu- sätzliche Einnahmen ausgleichen lässt. Dadurch lässt sich die Erosion jahrzehntelang erarbeiteter Wohl- fahrtsstaatlichkeit leicht verhindern. Potenzial für zusätzliche Einnahmen aus vermögensbezogenen Steuern ist in Österreich jedenfalls genügend vor- handen, wie auch die aktuellen Daten zur Vermögensverteilung der österrei- chischen Nationalbank (OeNB) aus dem Household Finance and Con- sumption Survey (HFCS) zeigen.1 Be- kräftigen lässt sich die Forderung nach Vermögensteuern auch durch einen in- ternationalen Rundblick, welcher Ös- terreich einen sehr starken Aufholbe- darf in der Besteuerung von Vermögen bescheinigt. So zeigt der vorliegende Artikel, dass vermögensbezogene Steuern im inter- nationalen Vergleich zwar stark diver- gieren, was sowohl bezogen auf den gesamten Beitrag zum Steueraufkom- men des jeweiligen Nationalstaats als auch hinsichtlich der internen Zusam- mensetzung verschiedener vermö- gensbezogener Steuereinnahmen gilt. Trotzdem lassen sich einige internatio- nale Trends festmachen. Innerhalb der OECD wie auch der „alten“ EU-Länder (EU-15) war in den letzten dreißig Jah- ren ein Anstieg der vermögensbezoge- nen Steuereinnahmen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu be- obachten. Der Anstieg basierte zu ei- nem überwiegenden Teil aus erhöhten Steuereinahmen aus Steuern auf un- bewegliches Vermögen, während die Anteile anderer vermögensbezogener Steuerkomponenten (z. B. regelmäßi- ge Steuern auf das Nettovermögen, Erbschafts- und Schenkungssteuern oder Steuern auf Finanz- und Kapital- transaktionen) in Relation zum BIP im selben Zeitraum immerhin konstant ge- blieben sind. Österreich weicht jedoch stark von diesen internationalen Trends ab. In Österreich haben sich die 233 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft