Steuern auf Nettovermögen wie auch Erbschafts- und Schenkungssteuern spielen in Österreich heute gar keine Rolle mehr, und auch die Besteuerung von unbeweglichem Vermögen und von Finanz- und Kapitaltransaktionen hinkt im internationalen Vergleich hin- terher. Es ist anzunehmen, dass auch die teilweise Erhöhung vermögensbe- zogener Steuern im Rahmen der 2011 implementierten Budgetkonsolidie- rungsmaßnahmen diese langfristige Entwicklung kaum beeinflussen wird. Der fehlende Beitrag einer allgemei- nen Vermögensteuer bzw. von regel- mäßigen Steuern auf das Nettovermö- gen in Österreich resultiert aus den Entwicklungen der letzten dreißig Jah- re. Heute ist Österreich jedenfalls ei- nes der wenigen Länder, in denen es weder eine allgemeine Vermögensteu- er noch eine Erbschafts- und/oder Schenkungssteuer, noch eine Börsen- umsatzsteuer gibt. Auch wenn eine all- gemeine Vermögensteuer in den Län- dern der OECD nicht mehr sehr weit- verbreitet ist, bleibt festzuhalten, dass die Gesamtheit regelmäßiger Steuern auf das Nettovermögen sowohl in der OECD als auch in der EU-15 im Schnitt immerhin etwa 8% der vermögensbe- zogenen Steuereinnahmen repräsen- tieren. Am weitesten hinkt Österreich zweifellos in Bezug auf die Besteue- rung von unbeweglichem Vermögen (z. B. Grundsteuern) hinterher. Berücksichtigt man jedoch die Tatsa- che, dass – wie einleitend diskutiert – eine Erhöhung von Steuern auf unbe- wegliches Vermögen aus verteilungs- politischen Gesichtspunkten proble- matisch ist, lässt sich abschließend festhalten, dass auch die ausschließli- che Anhebung der Einnahmen aus den verbliebenen vermögensbezogenen Steuerkomponenten (nach OECD-De- finition) auf internationales Niveau sehr großes Potenzial in sich birgt. Anmerkungen 1 Andreasch et al. (2012). 2 Schratzenstaller (2011a, 2012). 3 Schratzenstaller (2011a). 4 Schmidl, Schratzenstaller (2011). 5 Schratzenstaller (2011a). 6 Ebendort. 7 Ebd. 8 OECD (2012) 330. 9 Vgl. OECD (2012). 10 Schratzenstaller (2011b). 11 Schmidl, Schratzenstaller (2011). 12 Zwar ist die Erbschafts- und Schen- kungssteuer in Österreich 2008 ausge- laufen, sie liefert aber immer noch Erträge, auch weil teils lange Tilgungs- pläne genehmigt wurden, bzw. Zah- lungsziele eingeräumt wurden. 13 Anzumerken ist zudem, dass neben dem Anstieg an vermögensbezogenen Steuern in den letzten 30 Jahren auch die Vermögen oder Börsenumsätze stark gestiegen sind. Es wurden also auch im Schnitt der OECD-Staaten die vermögensbezogenen Steuern (bis auf die Grundsteuern) ausgehöhlt; wenn- gleich auch nicht ganz so stark wie in Österreich. 14 Schmidl, Schratzenstaller (2011). 15 Meinzer (2012). 16 KPMG (2012); Schratzenstaller (2011a). 17 Quelle für dieses Unterkapitel ist KPMG (2012). 18 Quelle für dieses Unterkapitel ist KPMG (2012). Literatur Andreasch, M.; Fessler, P.; Mooslechner, P.; Schürz, M., Fakten zur Vermögens- verteilung in Österreich, in: BMASK (Hrsg.), Sozialbericht 2011-2012 (Wien 2012) 249-268. Goldberg, K., Vermögensbesteuerung. Ein internationaler Vergleich (ÖGPP, Wien 2007). Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2 244