BÜCHER Wohlfahrtsstaaten und Arbeits- beziehungen in der Wirtschafts- krise Rezension von: Steffen Lehndorff (Hrsg.), Ein Triumph gescheiterter Ideen. Warum Europa tief in der Krise steckt. Zehn Länder-Fallstudien, VSA-Verlag, Hamburg 2012, 285 Seiten, broschiert, D 19,80. ISBN 978-3-899-65511-7. Ziel des Sammelbandes ist die Erör- terung von drei Fragen, welche die zehn Länderanalysen (Schweden, Großbritannien, Irland, Deutschland, Frankreich, Österreich, Ungarn, Grie- chenland, Italien und Spanien) rahmt. Erstens, wie haben Veränderungen der nationalen Wohlfahrtsstaaten und der Arbeitsbeziehungen zur Entste- hung der Wirtschafts- und Finanzkrise beigetragen? Zweitens, welche Aus- wirkungen hat die Krise auf die natio- nalen Kapitalismusmodelle, und wie haben sich diese in der Krise verän- dert? Drittens, was sind die Herausfor- derungen und Handlungsoptionen der Akteure hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der nationalen Sozioöko- nomien? Ein weiteres Kapitel beschäf- tigt sich mit den Reaktionen der Ge- werkschaften auf die Krise und mögli- chen Chancen für deren Revitalisie- rung. Der abschließende Beitrag stellt die Widersprüche und Herausforde- rungen des neuen Rahmens der „Euro- päischen Wirtschaftsregierung“ und der Ziele der „Europa-2020“-Strategie dar. Die präsentierten Analysen der na- tionalen Modelle des Kapitalismus be- rücksichtigen längerfristige Entwick- lungspfade der nationalen Wohlfahrts- staaten, Arbeitsmarktregimes und Ar- beitsbeziehungen, statt eine kurzfristi- ge Krisendiagnose zu stellen. In seiner Einleitung präsentiert Lehndorff einen differenzierten konzeptionellen Rah- men, um die Kernfragen des Sammel- bandes analytisch zu erfassen. Natio- nale Modelltypen werden hinsichtlich zweier Dimensionen differenziert; ers- tens unterscheidet der Autor zwischen koordinierten und liberalen Marktwirt- schaften und zweitens nach dem vor- herrschenden Typus des Wohlfahrts- staates. Beide Dimensionen werden aus dynamischer Perspektive betrach- tet und zielen auf die Frage nach den spezifischen Ausprägungen und Ent- wicklungsprozessen der nationalen Modelle des Korporatismus in den Jah- ren der Krise ab. Die Analyse der zehn Länder erlaubt eine differenziertere Betrachtung der allgemeinen Diagno- se des Aufstiegs des Neoliberalismus und der Erosion der Demokratie im westlichen Kapitalismus (z. B. Crouch [2004 und 2011]; Posner [2010]; Streeck [2013]). Die Gesamtschau der Beiträge zeigt, dass dieser Befund im Kern auch für die koordinierten Markt- wirtschaften der untersuchen Länder bestätigt wird. Wie Anxo in seinem Beitrag zeigt, war das schwedische Modell zu Be- ginn der Krise in guter Verfassung. Grundlegende Merkmale des nationa- len Modells sind ein Tarifsystem, das lohnpolitische Koordinierung mit der Flexibilisierung und Dezentralisierung 247 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft