Unsicherheit vertraglichen Verpflich- tungen nachkommen zu können. Da Geld kein produzierbares Gut ist, ist das Halten von Liquidität automatisch mit einem Verlust an Produktion und Beschäftigung verbunden: Unterbe- schäftigung wird daher zum Normalfall. In den folgenden Kapiteln werden die grundlegenden Einsichten schrittweise angewendet und vertieft. Einer aus- führlichen Analyse von Konsumnach- frage und Investitionsnachfrage (Kap. 3 und 4) schließt sich die Multiplikator- analyse der Staatsausgaben in Kapitel 5 an. In den Kapiteln 6 bis 8 folgt eine Vertiefung der monetären Analyse. Nach dem bereits erwähnten neuen Kapitel 9 widmet sich Davidson zu- nächst den Themen Inflation, Key- nes’scher Angebots- und Nachfrage- analyse, Arbeitsangebot und -nachfra- ge (Kapitel 10-12), um dann bis Kapitel 17 auf eine internationale Perspektive überzugehen, an deren Ende Vor- schläge für ein neues Weltwährungs- system stehen. Davidson schreibt über das gesamte Buch hinweg äußerst verständlich, da- bei stilistisch und rhetorisch brillant. Die teilweise doch ziemlich komplexe Materie wird so leicht zugänglich, ohne dabei jedoch in unzulässiger Weise vereinfacht zu werden. Die wirtschafts- politischen Anwendungen und Schluss- folgerungen sind zudem stets präsent. Mit dem ökonomischen Mainstream geht Davidson im gesamten Buch nicht eben zimperlich um. Gerade im 18. und letzten Kapitel über „Truth and labelling in economic textbooks“ konzentriert er noch einmal seine Angriffe gegen den alten keynesianischen Mainstream in Gestalt der Neoklassischen Synthese und gegen den Neu-Keynesianismus, die Davidsons Ansicht nach beide zu Unrecht als keynesianisch bezeichnet werden. Schlüssiger, überzeugender und pointierter als Davidson kann man die Unterschiede zwischen einem ech- ten Keynesianismus im Sinne Keynes’ und der Verballhornung durch den öko- nomischen Mainstream kaum aufzei- gen. Davidson scheut dabei allerdings auch vor persönlichen Angriffen und Spott nicht zurück. So wird Alan Green- span am Ende des ersten Kapitels re- gelrecht vorgeführt, weil er in einer An- hörung vor dem US-Kongress hatte bekennen müssen, dass er bestimmte Dinge im Zusammenhang mit der Krise nicht vorhergesehen und verstanden habe. Davidson wünscht Greenspan daher, die Lektüre seines Lehrbuches möge ihm das Verständnis für die Ur- sachen der Krise und die zu ihrer Be- kämpfung notwendigen Maßnahmen zukünftig erleichtern. Zwar hat die mitunter scharfzüngige Kritik sicher einen hohen Unterhal- tungswert. Gerade die zuletzt ange- führte Äußerung Davidsons ist jedoch symptomatisch für die leider nicht zu leugnende große Schwäche des Lehr- buches: Paul Davidsons Selbst- und Sendungsbewusstsein ist so groß, dass er dazu neigt, seine Ansichten über Keynes und den Post-Keynesianismus zu verabsolutieren und die Leistungen anderer wichtiger Post-Keynesianer aus Vergangenheit und Gegenwart zu ignorieren. So sucht man eine Erwäh- nung oder gar Auseinandersetzung mit der kaleckianischen Tradition, der neo- ricardianischen Schule, der Modern Money Theory oder anderen aktuellen Entwicklungen im Post-Keynesianis- mus vergeblich. Es ist schon erstaun- lich, welche prominenten Namen alle- samt nicht den Weg ins Personenre- gister gefunden haben: Philip Arestis, Amit Bhaduri, Alfred Eichner, Wynne 256 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2