Autoren unterziehen sich den Mühen, die bestehenden Widersprüche in Theorie und Politik mit den Mitteln des exploratorischen Diskurses aufzulösen oder zumindest zu verringern. Farmer ist einer der wenigen theore- tischen Ökonomen, die ihre For- schungstätigkeit nahezu ausschließ- lich in den Dienst der exploratorischen Überwindung dieses Schismas gestellt haben. Seine aktuellen Buchpublika- tionen stellen dies wiederum ein- drucksvoll unter Beweis. Sein Mantra ist banal-szientistisch: Die „lähmende und ziemlich anödende Glaubensspaltung“ in Theorie und Poli- tik kann nur durch einen Grundkon- sens über das Design eines, nämlich DES ökonomischen Standardmodells überwunden werden. Er stellt sich damit der gleichen, gro- ßen Herausforderung wie J. M. Keynes vor knapp 80 Jahren, als dieser – ge- schockt von den Folgen der Weltwirt- schaftskrise – das Dogma der klassi- schen Ökonomie: „Marktwirtschaften sind im Allgemeinen gesamtwirtschaft- lich effizient und bedürfen daher keiner systematischen (d. h. über die Ord- nungspolitik hinausgehenden) wirt- schaftspolitischen Korrekturen“, nicht nur hinterfragte, sondern als unerhebli- chen Spezialfall (s)einer „General Theory“ (GT) in die Schmuddelecke der Theoriegeschichte verbannen woll- te. Wie sich später herausstellte, hat Keynes’ GT zwar das (neo)klassische Theoriegebäude ins Wanken, aber (Stichwort: neoklassische Synthese) nicht endgültig zu Fall bringen können. Farmer versucht nichts Geringeres als das Opus Magnum von J. M. Key- nes („The General Theory of Employ- ment, Interest and Money“, GT) zu voll- enden und das marktwirtschaftliche Ef- fizienzpostulat endgültig und unwider- ruflich zu destruieren. Er tut dies ähn- lich wie Keynes (GT) mit den Mitteln der allgemeinen Gleichgewichtstheorie und nicht wie in den 1970er-Jahren na- hezu eine halbe Ökonomengeneration (stellvertretend dafür sei E. Malinvaud erwähnt) mit den Mitteln der „Ungleich- gewichtstheorie“, die letztlich u. a. ver- höhnt von „R. E. Lucas und seinen neoliberalen bzw. neu-keynesiani- schen Freunden“ als „empty, free para- meter-ridden, and untestable“ vom Zentrum, wenn nicht zur Gänze, von der akademischen Bildfläche ver- schwunden ist (nicht ganz zu Unrecht, wie ich meine). Farmer wendet sich aber auch folgerichtig gegen die „gleichgewichtszugewandten Neu- Keynesianer“ – und damit gegen den herrschenden Mainstream in Theorie und Politik – und deren Missdeutung der Keynes’schen Ökonomie (GT) als „Neoklassik mit Sand im Getriebe“ (Stichwort: sticky prices). Farmer weist zu Recht darauf hin, dass „sticky pri- ces“ in der Keynes’schen Ökonomie (GT) von eher peripherer Bedeutung sind und weiß sich damit in sehr guter Gesellschaft (z. B. in jener von A. Lei- jonhufvud, seinem Professoren-Kol- legen an der University of California, Los Angeles; UCLA). Farmer nimmt in EEP für sich (zu Recht, wie ich meine) in Anspruch, Keynes’ „General Theory“ zu „vollen- den“, in dem er mit den Mitteln der mo- dernen, dynamischen Gleichgewichts- theorie zeigt, dass unregulierte Markt- wirtschaften mit arbiträr hohen, bestän- digen Arbeitslosenquoten tatsächlich, wie von Keynes behauptet, der Regel- zustand einer Marktwirtschaft im Gleichgewicht ist und die (neo-) klassi- sche Proposition einer Marktwirtschaft mit (einer) sogenannten natürlichen Ar- beitslosenquote der Ausnahmezu- 259 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft