auf die „äußerst skurrilen bzw. unplau- siblen Marktstrukturen“ eines nach dem Zweiten Wohlfahrtstheorem „de- zentralisierten“ kompetitiven Arbeits- (such)marktes. Farmer argumentiert, dass die „natural decentralization of a Pareto optimal labor allocation“ einem kompetitiven Arbeitssuchmarkt ent- sprechen würde, der von vielen kom- petitiven, privatwirtschaftlichen Ar- beitsvermittlungsagenturen mit jeweils eigener „match technology“ (spezielles Know-how zur optimalen Besetzung ei- ner offenen Stelle) bevölkert ist. Diese privaten Agenturen würden von Ar- beitssuchenden das exklusive Recht, sie vermitteln zu dürfen, und von den Firmen das exklusive Recht, ihre offe- nen Stellen besetzen zu dürfen, kau- fen. Mit diesen „search inputs“ ausge- stattet, würden sie dann (mit Hilfe ihres speziellen Know-hows bzw. ihrer „match technology“) die optimale offe- ne Stellenbesetzung ermitteln und die- ses „Verbundprodukt“ zurück an die neu entstandene Arbeiter-Firma- Paarung verkaufen. Farmer begründet die Nicht-Existenz von derart organi- sierten Arbeits(such)märkten wie folgt (EEP, S. 16): „A moment’s reflection suggests that these markets do not exist because of the moral hazard associated with moni- toring the motives of the participants. Efficient operation of these markets re- quires exclusivity of contracts. If such markets existed, it would be difficult or impossible to prevent an unemployed worker from selling the exclusive right to be matched to multiple agencies and to turn down job offers when presented on spurious but hard-to-monitor grounds. Since there are legitimate reasons to refuse a job, the require- ment that all potential matches must be accepted is not a feasible solution to the problem. Casual observation of state-run employment agencies sug- gests that this problem is present in practice and is a significant impedi- ment to the efficient operation of a matching market.“ Es ist somit nicht die „stickiness“ von Preisen und Löhnen, die in unregulier- ten Marktwirtschaften zu gesamtwirt- schaftlich sub-optimalen Ergebnissen führt, sondern der mikroökonomisch fundierte, systeminhärente Mangel an kompetitiven, Walrasianischen (Ar- beits)Märkten. Farmer präsentiert im Kapitel 2 von EEP die Basisversion ei- nes Modells mit nachfragedeterminier- ten (originär- bzw. alt-keynesiani- schen) allgemeinen Gleichgewichten und einem Kontinuum von Steady- state-Arbeitslosenquoten, von dem er- wartet werden darf, dass es tatsächlich von den kommenden Ökonomengene- rationen – gleichgewichtstheoretisch bestens geschult und auf beständiger Suche nach mehr theoretischer Kohä- renz ihrer Wissenschaft – zum längst notwendigen, ökonomischen Gleich- gewichts-Standardmodell weiterentwi- ckelt wird. Für die gegenwärtige Öko- nomengeneration, gleich welcher Kon- ditionierung (neoliberal oder marktkri- tisch), eignet sich die Lektüre beider Bücher hingegen bestens (und ganz im Sinne von Mark Twains Aphorismus) zum kritischen Hinterfragen und Beur- teilen des eigenen Denkens, der eige- nen (theoretischen) Standpunkte und der eigenen (wirtschaftpolitischen) Handlungen bzw. Empfehlungen (Defi- nition von Selbstreflexion nach Brock- haus). Franz R. Hahn 261 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft