Die Vielfalt der Wirtschafts- wissenschaften Rezension von: Johannes Jäger, Elisabeth Springler, Ökonomie der Internationalen Entwicklung. Eine kritische Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Mandelbaum Verlag, Wien 2012, 380 Seiten, broschiert, D 19,80. ISBN 978-3-854-76386-4. Wie Ökonomie verstanden und er- klärt wird, hat weitreichende Implikatio- nen. Dies zeigt sich deutlich an den un- terschiedlichen Erklärungen der aktu- ellen Wirtschaftskrise und den daraus gezogenen Schlussfolgerungen und Empfehlungen an die Wirtschaftspoli- tik. Wird die Lösung in „mehr Markt, weniger Staat“ gesehen oder ein mas- sives Eingreifen des Staates gefordert, wird der Kapitalismus als dysfunktiona- les System gesehen oder als System, dass besser reguliert werden muss? Diese und weitere Fragen und vor al- lem die realpolitischen Umsetzungen der darauf gefundenen Antworten ha- ben Auswirkungen auf die Lebenssi- tuationen von Millionen Menschen. Trotz ihrer anfänglichen Diskreditie- rung haben es marktliberale, neoklas- sische Erklärungsmuster und Hand- lungsempfehlungen geschafft, ihre Rolle als Mainstream in den Wirt- schaftswissenschaften zu behaupten. Auch nach fünf Jahren ökonomischer Zerwürfnisse scheint Margret That- chers Ausspruch „There is no alternati- ve“ für viele korrekt zu sein. Ein einsei- tiger, eingeschränkter Blickwinkel birgt jedoch die Gefahr, dass – wie dies etwa im Vorfeld der Finanzkrise der Fall war – Problemstellungen schlicht übersehen oder nicht als solche er- kannt werden. Vor diesem Hintergrund stellt das vorliegende Buch eine willkommene Abkehr von der etablierten Darstellung ökonomischer Grundlagen dar. Die Au- torInnen Johannes Jäger, Fachhoch- schulprofessor für Volkswirtschaftsleh- re, und Elisabeth Springler, Fachbe- reichsleiterin für Volkswirtschaftslehre, beide an der FH des bfi wien, stellen dafür in umfangreicher Form drei zen- trale Paradigmen der Wirtschaftswis- senschaften gegenüber. Neben der Neoklassik wird auf die Grundlagen des Keynesianismus und der Politi- schen Ökonomie eingegangen. Das Ziel ihrer kritischen Einführung in die Ökonomie ist es, „auf knappem Raum unterschiedliche Sichtweisen auf wirtschaftliche Zusammenhänge darzulegen und damit die Basis für ein differenziertes Verständnis von Öko- nomie und wirtschaftspolitischen De- batten zu liefern“ (S. 7). Die drei Para- digmen sollen dabei möglichst nach- vollziehbar und einfach dargestellt wer- den, um für ein breites Publikum zu- gänglich zu sein. Den AutorInnen gelingt dies dank des klaren Aufbaus des Buches ausge- zeichnet. Anders als viele ökonomi- sche Lehrbücher, die gleich damit be- ginnen, Schritt für Schritt ihre Modelle zu erklären, beginnt das vorliegende mit einer Verortung der Paradigmen, ehe zentrale ökonomische Themenfel- der beleuchtet werden. „Die einzelnen Paradigmen werden (dabei) parallel dargestellt, sodass die grundsätzlichen Perspektiven und Herangehensweisen zu einzelnen Themenbereichen direkt vergleichbar werden“ (S. 9) Im ersten Kapitel werden die jeweili- gen Zugänge zum ökonomischen Den- ken dargestellt. Welche polit- und wirt- 263 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft