schaftshistorischen Faktoren für Ent- stehung und Bedeutung der Denkströ- mungen wichtig waren, wird ebenso prägnant dargelegt wie die wissen- schaftstheoretischen Grundlagen und die zentralen Methoden der Paradig- men. Fragen danach, welche Perso- nen hinter einem Theoriegebäude ste- hen, welches Weltbild dafür zentral ist, welche Interessen damit bedient wer- den und wer davon profitiert, dürfen in einer kritischen Paradigmenanalyse nicht fehlen. Ausgehend von der Verortung wer- den die Grundkonzepte der drei Theo- riegebäude beleuchtet. Hintereinander werden die grundsätzliche Herange- hensweise, die zentralen Konzepte, das Erkenntnisinteresse und die wirt- schaftspolitischen Implikationen da- raus für die drei Paradigmen darge- stellt. Bei der Neoklassik wird dabei u. a. auf die Annahme der Knappheit der natürlichen Ressourcen, auf den methodologischen Individualismus und auf die Effizienz der Märkte eingegan- gen. Im Unterkapitel zum Keynesianis- mus werden u. a. die Konzepte der ef- fektiven Nachfrage, der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit, der Bedeutung der In- stitutionen und der fundamentalen Un- sicherheit beleuchtet. Im Unterkapitel zur Politischen Ökonomie wird der Fo- kus auf die marxistische Darstellung von sich im historischen Verlauf verän- dernden Produktionsweisen gelegt, und zentrale Konzepte wie etwa Klas- sen, Mehrwert und Akkumulationsim- perativ werden erläutert. Der zweite, wesentlich umfangrei- chere Teil des Buches befasst sich in fünf Kapiteln mit zentralen ökonomi- schen Themenfeldern. Beleuchtet wer- den dabei jeweils die grundsätzliche Herangehensweise, die zentralen Kon- zepte und die wirtschaftspolitischen Implikationen der drei Paradigmen. Das erste Kapitel dieses Teiles behan- delt die Themen Staat, Gesellschaft und Wirtschaft, wobei vor allem das Zusammenwirken von Markt und Staat beleuchtet wird. Als nächstes werden Fragestellungen zu Wachstum, Ent- wicklung und Krise dargestellt, gefolgt von einem Kapitel zu Ungleichheit und Verteilung. Die letzten beiden Ab- schnitte befassen sich mit Geld und dem Finanzsystem und mit der Geo- graphie der globalen Ökonomie. Zur Veranschaulichung und zur Kon- frontation mit realpolitischen Gegeben- heiten werden in elf Vertiefungen un- terschiedliche Themen aus Sicht der drei Paradigmen von GastautorInnen erläutert. Die Kurzdarstellungen span- nen dabei einen weiten Bogen von Ar- beits-, Wohlstands- und Verteilungs- fragen über Klimawandel und Ressour- cenpolitik bis hin zur feministischen Ökonomie. Auch die Finanzkrise und Entwicklungen in der Weltwirtschaft werden behandelt. Insgesamt gibt das Buch einen sehr guten Einblick in die Grundlagen der drei großen Denkströmungen. Dank des direkten Vergleichs, bei dem viel Wert darauf gelegt wurde, keine Stel- lung zu beziehen, zeigt sich deutlich, wie unterschiedliche die Erklärungs- muster sind. Es wird auch ersichtlich, dass jedes Paradigma für unterschied- liche Fragestellungen ausgefeilte Ant- worten liefert, andere hingegen kaum behandelt. Durch die vielfältigen Be- trachtungen werden die LeserInnen dazu angeregt, sich eine eigene Mei- nung zu bilden. Die große Dichte und der weite Bo- gen des etwa 350 Seiten dicken Bu- ches hat jedoch auch zur Folge, dass an manchen Stellen die Ausführungen etwas knapp ausfallen, worunter die 264 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2