Adam Smith entideologisiert Rezension von: Heinz D. Kurz, Richard Sturn, Die gr��ten �konomen: Adam Smith, UTB UVK Lucius, Konstanz und M�nchen 2013, 200 Seiten, D 12,99. ISBN 978-3-825-23793-6. Heinz D. Kurz, Richard Sturn, Adam Smith f�r jedermann, Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt 2013, 245 Seiten, D 17,90. ISBN 978-3-899-81246-6. Seit etwa zwei Jahrzehnten nimmt in den Wirtschaftswissenschaften das In- teresse an einer Systematisierung und Zusammenfassung des �konomischen Wissens st�ndig zu. Es scheint, dass diese Tendenz einem wachsenden Be- d�rfnis entspricht, aus der in allen Teil- gebieten un�berschaubar gewordenen Literatur dasjenige herauszuheben, was in gr��eren Zusammenh�ngen Erkenntniswert f�r das Verstehen des- sen, was wir �Wirtschaft� nennen, be- sitzt. Gleichzeitig kann sie auch als Ausdruck eines zunehmenden Unbe- hagens an der laufenden Produktion des akademischen mainstream gedeu- tet werden. Beispiele f�r diese Bem�- hungen sind die in gro�er Zahl erschei- nenden, auf bestimmte Themen oder Autoren bezogenen Handb�cher und companions, sowie die neuen Reihen- werke mit Monografien �ber wichtige Autoren der �konomischen Wissen- schaft. Es ist sehr verdienstvoll und er- freulich, wenn nun auch im UTB-Verlag eine deutschsprachige Reihe �Die gr��ten �konomen� erscheint, von der derzeit (Mitte 2013) bereits vier B�nde vorliegen, als erster eine Monografie �ber Adam Smith, verfasst von Heinz Kurz und Richard Sturn. Wenn Smiths Stellung als Begr�nder der �konomischen Wissenschaft kaum strittig ist, so waren die W�rdigungen seines Werkes, die insbesondere aus Anlass der Jahrhundertfeiern der Pub- likation seines Hauptwerks �Wealth of Nations� (WN) erschienen sind, durch- aus kontroversiell. Aus dem Jahr 1976 auf 1876 zur�ck blickend, bemerkte T. W. Hutchison, dass damals nur we- nig �bereinstimmung �ber die Bedeu- tung Adam Smiths herrschte: �To a lar- ge extent the centenary celebration in London consisted of conflicting claims and opposing interpretations regarding the methods and significance of The Wealth of Nations.�1 Auch 1976 war die Situation kaum weniger konfliktgela- den, als die sich formierende neolibe- rale Richtung Smith f�r sich verein- nahmte, um ihr wirtschaftspolitisches Programm der Zur�ckdr�ngung des Keynesianismus und der Rolle des Staates wissenschaftlich zu legitimie- ren. Eines der zentralen Anliegen des neuen Buches von Kurz und Sturn be- steht darin, der Vereinnahmung Adam Smiths und der Simplifizierung seiner Lehren im Sinne der neoliberalen Ideo- logie diesen in der ganzen Differen- ziertheit seines theoretischen Denkens und seiner Ansichten zu wirtschaftspo- litischen Fragen gegen�berzustellen. Im ersten Teil geben Kurz und Sturn einen �berblick �ber Smiths Gesamt- werk, das konzipiert ist �als Gesamt- system der Wissenschaften von Mensch. Gesellschaft und Wirtschaft� (S. 34). Dem �konomischen Haupt- werk Smiths ging die �Theory of Moral Sentiments� (TMS, erstmals erschie- nen 1759) voran, eine Theorie der Ethik auf empirischer Grundlage, in der Smith �Sympathie� (nicht gleichbedeu- tend mit �Altruismus�) als grundlegen- des Motiv f�r moralische Werturteile 266 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2