Und auch die Hoffnung auf einen Wiederaufschwung durch eine Stei- gerung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit ist trügerisch. Denn bei der bereits erwähnten knapp 90-prozentigen Handelsverflechtung in- nerhalb der Eurozone kann ein solcher (Lohn-)Kostenwettlauf, also eine simultane innere Abwertung, nur zu einer abwärts gerichteten Spirale führen, an deren Ende schließlich alle als Verlierer dastehen. Die Unternehmen investieren nicht, wenn sie aufgrund der Arbeits- marktlage und der gedrückten Kaufkraft äußerst niedrige Absatzerwar- tungen haben und kaum Chancen sehen, ihre Produkte verkaufen zu können. Einfach ausgedrückt dämpft die Austeritätspolitik alle Nachfragekom- ponenten, da sie auf Annahmen beruht, die aus einer falschen Theorie, der Neoklassik, entstammen. Das Resultat zeigt sich etwa in der Früh- jahrsprognose der EU-Kommission, nach der die Inlandsnachfrage in der Eurozone in den Jahren 2012 und 2013 wieder schrumpft – sowohl der private und der öffentliche Konsum als auch die Investitionen sind im Minus. Solange sich der ökonomische Mainstream nicht von der neoliberalen Wirtschaftstheorie befreit, solange die Bedeutung von Faktoren wie Nachfrage und Einkommensverteilung im Wirtschafts- kreislauf ignoriert wird, solange sind Enttäuschungen über zu optimisti- sche Prognosen vorprogrammiert. Österreich alleine ist zu klein Wir befinden uns also in einem Teufelskreis, der durchbrochen wer- den muss. Dies kann nur gelingen, wenn sich die Wirtschaftspolitik von ihrem irreleitenden neoliberalen theoretischen Fundament loslöst und einen radikalen Kurswechsel einschlägt. Es ist kein Zufall, dass sich die österreichische Wirtschaft deutlich besser entwickelte als der Durch- schnitt der Eurozone – wenn auch im historischen Vergleich mit so niedrigen Wachstumsraten, die vor einiger Zeit noch als Rezession be- zeichnet worden wären. Aber Regierung und Sozialpartner haben ver- sucht, den Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftskreislaufes und der Be- deutung des Sozialstaates bei der Krisenbewältigung Rechnung zu tragen. Nach Ausbruch der Krise wurde aktiv versucht, die Nachfrage zu stützen, unter anderem durch das Vorziehen einer Steuerreform mit Entlastung der niedrigeren und mittleren Einkommen. Am Arbeitsmarkt trugen die Sozialpartner durch auf Betriebs- und Branchenebene ge- troffene Vereinbarungen wesentlich dazu bei, bestehende Beschäfti- gungsverhältnisse aufrechtzuerhalten (z. B. durch Kurzarbeit, Abbau von Überschüssen in Stundenkonten, Inanspruchnahme von Urlaubs- ansprüchen, Bildungskarenz). Dadurch wurden Einkommen und Ar- beitsmarkt stabilisiert, was sich wiederum positiv auf die Erwartungen 286 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3