Finanzkrise und schwache Wirtschaftslage zu finden, andererseits für die besonders stark ausgeprägte Abkoppelung der persönlichen Betroffenheit von der des Landes. 2. Zufriedenheit mit der eigenen Lage Dass die Österreicher in der Arbeitslosigkeit sehr viel mehr ein nationa- les als ein persönliches Problem sehen, wird durch die Einschätzungen ihrer persönlichen und beruflichen Situation bestätigt. Wie Abbildung 4a zeigt, schätzen rund 75% der Österreicher ihre berufliche wie ihre finan- zielle Situation als (sehr oder ziemlich) zufriedenstellend ein. Der Anteil der Zufriedenen ist im Verlauf der Krise, bis Frühjahr 2011, sogar kontinu- ierlich angestiegen und verharrt seither auf hohem Niveau. Die nationale Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage halten die Österreicher hingegen nicht bloß für wesentlich weniger günstig als ihre persönliche, die Einschätzung schwankt auch deutlich stärker (die Standardabweichung ist rund fünfmal so hoch): Der Euphorie gegen Jahresende 2007 folgte die Ernüchterung Mitte 2009; seither hat die Einschätzung wieder ihre früheren Werte er- reicht. In markantem Gegensatz zu den Österreichern schätzen bloß 10% der EU-Bürger ihre berufliche und 20% ihre finanzielle Situation als zufrie- denstellend ein, und die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage des jeweiligen Landes wird, anders als in Österreich, für günstiger gehalten als die per- sönliche Situation, die Betroffenheit ist somit erheblich größer (Abb. 4b). Zwar war auch schon in der Vorkrisenzeit der Anteil der mit ihrer finanziel- len Situation Zufriedenen in der EU bloß halb so hoch wie in Österreich, seither hat er jedoch um ein Viertel abgenommen. Die Österreicher schätzen nicht bloß ihre persönliche Beschäftigungssi- tuation deutlich günstiger ein als die nationale, sie sehen auch die Zukunft des nationalen Arbeitsmarktes eher optimistisch: Die Frage, ob der Ein- fluss der Krise auf die Beschäftigung ihren Höhepunkt bereits erreicht hätte, beantworteten im Herbst 2012 44% der Österreicher positiv, hinge- gen bloß 29% der EU-Bürger. Interessanterweise sind vor allem die jun- gen Österreicher optimistischer: Von den 15- bis 39-jährigen Österrei- chern glaubt die Hälfte an ein Ende der Misere, gegen bloß ein Drittel der gleichaltrigen EU-Bürger. Da die Daten gewichtet sind, können Niveau wie Entwicklung bestenfalls zu einem geringen Teil auf die weniger wohlha- benden bzw. krisenbetroffenen EU-Mitgliedsstaaten zurückgeführt wer- den. Die Österreicher sind offenbar doch nicht die Raunzer, als die sie Li- teratur und Medien gerne bezeichnen. Anders als die anderen vertrauen sie offenbar darauf, dass die Beschäftigung ein vorrangiges Ziel der öster- reichischen Politik ist und bleibt, was auch ihre sonst schwer verständliche Angst vor Inflation wenigsten zum Teil erklären könnte. 328 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3