Vermögensärmeren relativ zu deren geringen Vermögen höher sind als die großen Erbschaften der Vermögensreicheren. Ein Beispiel: Hat eine Person 10 D und eine andere Person 10.000 D an Vermögen und erbt die erste Person 5 D, die zweite hingegen 4.999 D, dann sinkt der Gini-Koeffizient. Denn in Relation zum Vermögen hat die vermö- gensärmere Person mehr geerbt. Die Ungleichheit verringert sich, obwohl der Abstand zwischen Arm und Reich angestiegen ist. Trotz- dem sind Erbschaften mitentscheidend für die Reproduktion sozialer Ungleichheit. Denn die absoluten Unterschiede zwischen Arm und Reich werden größer, und die Vermögensfunktionen ändern sich mit der Höhe des Vermögens. Während Vermögen für weite Teile der Bevölkerung nur die Funktion einer Notreserve hat, dominiert in der Mitte vor allem das Wohnen im Eigenheim, welches Sicherheit und ein wenig an sozialem Status gibt. Erst bei den Reichen verändern sich diese Vermögensfunktionen, und die Weitergabe innerhalb der Fami- lie und gesellschaftliche Machtausübung werden entscheidend. ? Erben und Demokratie: Beim Erben geht es um gesellschaftliche Kon- tinuität, die Reproduktion von sozialen Positionen, um Mechanismen der Statusweitergabe. Erbschaften, die über viele Generationen akku- muliert werden, führen zu Vermögens- und Machtkonzentration, wel- che die Demokratie beeinträchtigen. Eine zentrale Aufgabe von Erb- schaftssteuern war historisch die Verhinderung von Machtballungen. Dynastische Vermögenskonzentration fördert Korruption sowie Macht- missbrauch und gefährdet demokratische Prozesse.4 Diesen drei Themen gehen wir in diesem Artikel auf Basis der Daten des „Household Finance and Consumption Survey“ des Eurosystems in Öster- reich (HFCS Austria 2010) nach. Kapitel 2 resümiert den konzeptuellen Rahmen der Erbschaftsdaten des HFCS Austria 2010. In Kapitel 3 be- schäftigen wir uns mit den Wahrnehmungen der Bevölkerung in Öster- reich zum Erbgeschehen. Kapitel 4 beschreibt die Daten zum Erbgesche- hen in Österreich. In Kapitel 5 werden die Verbindungslinien von Vererben und Erben über die Generationen dargestellt, und es wird gefragt, ob jene Haushalte, die bereits geerbt haben, auch die sind, von denen größere Erbschaften zu erwarten sind. 2. Daten zum Erben in Österreich Die Darstellung in diesem Artikel basiert auf den Daten des HFCS Aust- ria 2010. Aufgrund der großen Bedeutung von Erbschaften für die Vermö- gensakkumulation nahm die EZB einen umfangreichen Abschnitt zu Erb- schaften in den HFCS-Fragebogen auf. Der HFCS Austria 2010 beinhaltet einen noch ausführlicheren Abschnitt zum Erben.5 344 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3