Zur geschlechtsspezifischen Intrahaushaltsverteilung von Entscheidungsmacht in Europa Katharina Mader, Alyssa Schneebaum Ehemann: „Ich mache die wichtigen Entscheidungen, sie den Rest“ (Woolley, Marshall [1994] 426, Fußnote 9) 1. Einleitung Die ökonomische Disziplin wird oft als jene Disziplin bezeichnet, die sich mit der Verteilung von knappen Ressourcen auseinandersetzt. Angesichts dieser sehr breiten Definition lassen ökonomische Analysen bislang je- doch die Verteilung von Ressourcen in einigen Institutionen völlig unbe- achtet: Haushalte bzw. Familien müssen zwar regelmäßig Entscheidun- gen über ihre Ressourcen treffen, der Entscheidungsfindungsprozess in- nerhalb von Haushalten findet jedoch kaum bzw. keine Beachtung in der Ökonomie. Der Haushalt ist eine „Black Box“, nicht nur in Bezug auf Ent- scheidungsfindungsprozesse, sondern auch in Bezug auf individuelle Prä- ferenzen einzelner Haushaltsmitglieder und die Rolle von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen in Entscheidungsprozessen. In letzter Zeit wurden in der feministischen Ökonomie – vor allem quantitativ deskriptive sowie qualitative – Studien forciert, die begannen, Intrahaushaltsentschei- dungsprozesse und die Verteilung von Entscheidungsmacht zu untersu- chen: So haben beispielsweise Dema-Moreno (2009) die Entscheidungs- findung von spanischen Paaren, Lyngstad et al. (2011) jene von norwegi- schen Paaren, Mader et al. (2012) die geschlechtsspezifische Verteilung von Einkommen und Entscheidungsmacht in Österreich und Sikorski/ Kuchler (2012) die finanziellen Entscheidungsprozesse in Deutschland untersucht. Es gibt dennoch bislang noch keine großräumige, jedenfalls aber keine überregionalen Untersuchungen darüber, wie finanzielle Entscheidungen in Haushalten getätigt werden und welche Faktoren vor allem die Ent- scheidungsmacht von Frauen innerhalb eines Haushaltes beeinflussen. Wie Ressourcenkontrolle und Macht im Haushalt verteilt sind und welche 361 39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft