den Annahmen, dass Paare ihre Einkommen bündeln oder dass sie glei- che Nutzenanteile haben, sowie auf der Annahme, dass es keine Unge- rechtigkeiten in Haushalten gibt. Intrahaushaltsungleichverteilungen wurden zu einem großen Teil auch deshalb ignoriert, weil die Familie bzw. der Haushalt als private und nicht ökonomische Angelegenheit wahrge- nommen wird.18 Diese Standardannahmen erweisen sich jedoch in der Empirie als unrealistisch.19 Feministische Ökonominnen sehen es daher als wesentlich an, diese vermeintlich „private“ Sphäre in den Mittelpunkt zu rücken, um zu zeigen, wie deren Funktionieren die ökonomischen Schlüsselvariablen wie Ausgaben, Arbeitskräfteangebot oder Humankapi- talformation beeinflusst.20 Um ein besseres Bild von Haushalten – vor allem hinsichtlich ihrer Be- deutung für die Ökonomie – zeichnen zu können, ist es nötig, die den Haushalten inhärente Komplexität als gleichzeitige Produktions-, Kon- sumtions-, Investitions- und Reproduktionseinheit sowie als Einheiten der zwischenmenschlichen Zusammengehörigkeit zu erfassen. Diese Kom- plexität erhöht sich durch die unterschiedlichen und variierenden Präfe- renzen und Interessen der einzelnen Familienmitglieder sowie deren un- terschiedliche Möglichkeiten, ihre Präferenzen und Interessen durchzu- setzen. Daher ist der Haushalt aus einer feministischen Perspektive nicht nur als Ort der Entscheidungsfindung zu betrachten, sondern auch als Ort der Entstehung und Verfestigung von Verteilungs(un)gerechtigkeit zu ver- stehen.21 Feministisch heißt dementsprechend im Kontext der Intrahaushaltsver- teilung, dass Haushaltsmitglieder nicht als unabhängige Individuen be- trachtet werden können, sondern dass ihr (soziales) Geschlecht die we- sentliche strukturierende Kategorie ist. Feministische Analysen, die herausfinden wollen, wer warum wie viel Entscheidungsmacht und Res- sourcen innerhalb eines Haushaltes zur Verfügung hat, müssen demge- mäß die „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ der Haushaltsmitglieder in den Blick rücken. Soziale Normen sind von großer Bedeutung, denn sie defi- nieren wesentlich, wie sich Haushaltsmitglieder verhalten. Die soziale und kulturelle Konstriktion von vermeintlich angemessenen männlichen und weiblichen Verhalten beeinflusst deren Entscheidungsmacht im Haus- halt.22 Die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten in der Entscheidungsfin- dung können jedoch zumeist nicht gänzlich eindeutig identifiziert werden: „The actual process of shopping and deciding whether broccoli or cauliflo- wer is the best buy is a routine, time consuming and occasionally tedious task. If there are inequalities between spouses, one manifestation of the inequality may be that the more powerful spouse is able to delegate the more tiresome aspects of shopping while maintaining control over deci- sions.“23 Dies wird auch als Inszenierungsmacht („orchestration power“) 368 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3