nen „Ehe“ und „Familie“ jeweils ein System an legalen Rechten und Pflich- ten ebenso wie Erwartungen und Ansprüche an beide Partner bilden. Diese formellen und informellen Normen beeinflussen wesentlich, wie Entscheidungen im Haushalt getroffen werden und wer wie viel Entschei- dungsmacht hat. So entscheiden in Norwegen Haushalte mit Kindern bei- spielsweise eher gemeinsam als Paare ohne Kinder und verheiratete Paare eher gemeinsam als unverheiratete. Die vierte Hypothese, die wir testen, besagt daher: Der Beziehungsstatus und das Vorhandensein von Kindern beeinflussen deutlich die Art und Weise, wie Entscheidungen ge- troffen werden. Unsere fünfte Hypothese lautet abschließend: Historische, kulturelle und institutionelle Faktoren bedingen unterschiedliche Entscheidungsmacht für Frauen, wohlfahrtsstaatliche Regime können mehr Entscheidungs- macht ermöglichen oder sie beschränken. Deswegen erwarten wir euro- paübergreifend unterschiedliche Entscheidungsmacht für Frauen. 4. Datenmaterial und Methode Um diese Hypothesen zu testen, verwenden wir die Daten des Sonder- moduls zur Erhebung EU-SILC aus dem Jahr 2010. Dieses wurde in 25 EU-Mitgliedsländern (ohne Irland und Zypern) und zusätzlich in Norwegen und Island erhoben. Die jährliche Standard EU-SILC-Erhebung ist eine Er- hebung über Einkommen und Lebensbedingungen von Privathaushalten in Europa und bildet eine wichtige Grundlage für die europäische Sozial- statistik. Zentrale Themen sind Einkommen, Beschäftigung, Wohnen sowie subjektive Fragen zu Gesundheit, Zufriedenheit und finanzieller Lage. Das Sondermodul 2010 erfasste zudem erstmals Informationen über die Entscheidungsfindung und Verteilung von Ressourcen innerhalb von Haushalten und Partnerschaften. EU-SILC ist eine repräsentative Stichprobenerhebung – die gewichteten und hochgerechneten Ergebnis- se ermöglichen Aussagen über die Gesamtbevölkerung in Privathaushal- ten. In den Daten aus dem Jahr 2010 wurden insgesamt 143.212 Paare in 27 Ländern erfasst.29 Nachdem ein Haushaltsmitglied die allgemeinen Fra- gen über den jeweiligen Haushalt beantwortet hat, wurden beide Partner interviewt und über die Entscheidungsprozesse in ihrem Haushalt befragt. Beispielsweise wurden sie gefragt, wer Entscheidungen über alltägliche Einkäufe oder Sparentscheidungen trifft – mit den folgenden Antwortmög- lichkeiten: (1) eher ich, (2) ausgeglichen, (3) eher mein Partner, und bei ei- nigen Fragen auch (4) nie eine Entscheidung getroffen. Nachdem unser Fokus, wie in den Ausführungen zu den bisherigen Ar- beiten zu Intrahaushaltsverteilung von Macht und Entscheidungen darge- 371 39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft