5.1.2 Welche Faktoren sind dafür ausschlaggebend, dass Paare Entscheidungen gemeinsam treffen? Tabelle 4 zeigt die Ergebnisse des europaweiten Modells im Hinblick auf die Frage, welche Faktoren und Merkmale dafür ausschlaggebend sind, dass Paare Entscheidungen gemeinsam treffen. Paare mit legalem Beziehungsstatus treffen die meisten Entscheidun- gen eher zusammen, mit Ausnahme der Entscheidungen über alltägliche Einkäufe. Während die oben genannte der Spezialisierung von Individuen in einem Haushalt hierfür eine Erklärung geben würde, sprechen die Er- gebnisse, dass Paare mit legalem Beziehungsstatus auch Entscheidun- gen über Ausgaben für Kinder eher gemeinsam treffen, gegen diese Er- klärung. Paare, deren Einkommen ähnlich sind, treffen Entscheidungen eher ge- meinsam, dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Entscheidungen ge- meinsam treffen, im Mittelsegment (50-200% des Einkommen des/der Partner/in) am ehesten gemeinsam. Je größer die Einkommensunter- schiede innerhalb eines Paares, desto geringer wird die Wahrscheinlich- keit, dass sie Entscheidungen gemeinsam treffen. Ebenso entscheiden Paare, deren (Aus-)Bildungsniveau ein ähnliches ist, eher gemeinsam, mit Ausnahme von finanziellen Entscheidungen, bei denen überraschender- weise eine gleiche Bildung die Wahrscheinlichkeiten, Entscheidungen zu- sammen zu treffen, nicht beeinflusst. Dies könnte damit erklärt werden, dass der Effekt von Bildung auf die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar fi- nanzielle Entscheidungen zusammen trifft, ohnedies über die Intrahaus- haltseinkommensunterschiede erfasst wird, die einen signifikanten Teil der gemeinsamen Entscheidungsprozesse von Paaren begründen. Große Altersunterschiede zwischen einem Paar korrelieren mit einer leicht höheren Wahrscheinlichkeit, finanzielle Entscheidungen und Ent- scheidungen über den Kauf teurer Konsumgüter gemeinsam zu treffen, je- doch auch mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit, alltägliche Entschei- dungen gemeinsam zu treffen. Je länger Paare zusammen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie die finanziellen Entscheidungen – vor allem über die Kreditaufnahme – ge- meinsam treffen. Auch die Haushaltsstrukturen spielen eine signifikante Rolle bei der Determination der Wahrscheinlichkeiten, dass ein Paar Ent- scheidungen gemeinsam trifft: Wenn es erstens eine Hausfrau im Haus- halt gibt, treffen Paare alle Entscheidungen eher nicht gemeinsam. Dies kann zum einen darin begründet sein, dass Hausfrauen die oben genann- te Spezialisierung „einfacher“ machen, zum anderen aber auch mit Sens Selbstwahrnehmung erklärt werden, wodurch Hausfrauen aufgrund ihres geringeren (wahrgenommen) Beitrags zum Haushalt eine geringer Ent- scheidungsmacht haben als erwerbstätige Frauen. Sind zweitens Kinder 382 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3