über einen Teil der prinzipiell verfügbaren Werke. Zusätzlich können neue Geschäftsmodelle nicht einfach entstehen, sondern müssen von den Rechteinhabern und hier vor allem von den oligopolistisch organisierten Großverlagen in Form einer Lizenzvereinbarung genehmigt werden. Das Filmrepertoire auf Hulu, Netflix oder Amazon Prime ist ebenfalls einge- schränkt und kann darüber hinaus nur in einer kleinen Anzahl von Ländern legal abgerufen werden. Und selbst hier unterscheidet sich beispielweise das englische Angebot von Netflix vom US-amerikanischen. Eine weitere Einschränkung erfolgt durch die verschiedenen Betriebsysteme der Com- puter: So gibt es weder für Linux noch für Android einen Zugang zu iTunes. Wer also sein Betriebssystem wechselt oder ein neues Smartphone kauft, läuft Gefahr, alle legal erworbenen Inhalte eines bestimmten Anbiters zu verlieren (nicht aber die illegalen). All diesen beschränkten legalen Angeboten stehen illegale Wettbewer- ber gegenüber, die alle Werke verfügbar machen, diese nicht durch DRM (Digital Rights Management) schützen und die betriebssystem- und platt- formunabhängig sind. Das Urheberrecht verlangsamt die Reaktionsge- schwindigkeit der legalen Anbieter und schränkt sie in ihrem Angebot ein. Dadurch sind legale Anbieter gegenüber illegalen unter den Restriktionen des derzeitigen Urheberrechts kaum wettbewerbsfähig, denn sie können nur einen Teil der Inhalte zu höheren Kosten anbieten. Die Marktmechanismen und Geschäftsmodelle für Musik, Literatur, Computerspiele, Software etc. sind in ihrer Funktionsweise alle etwas un- terschiedlich, weshalb es den Rahmen des Artikels sprengen würde, auf alle branchenspezifischen Charakteristika einzugehen. Das Grundpro- blem, das Varian (2005) gezeichnet hat, wonach die Urheberrechtsindu- strie auf File Sharing8 wie auf den Markteintritt eines neuen Mitbewerbers reagieren müsste, zieht sich jedoch durch alle Teilbranchen. 4. Lösungsansätze Wie bereits erwähnt, besteht das wirtschaftliche Ziel des Urheberrechts darin, einen Markt zu schaffen, um massentaugliche Werke verkaufen zu können und damit die Kosten der Herstellung und Entwicklung des Wer- kes zu amortisieren und Einkommen zu generieren. Nun hat es den An- schein, dass diese Funktion nicht mehr oder nur teilweise erfüllt wird, wes- halb seitens der betroffenen AkteurInnen gesetzliche Änderungen verlangt werden. Während sich die Lobbys der Urheberrechtsindustrie für eine Beibehaltung des Urheberrechts aussprechen und gesetzliche Ände- rungen zur Durchsetzbarkeit forcieren (Vorratsdatenspeicherung, Über- wachung, Abmahnungen und Strafen wie z. B. Netzsperren), versuchen andere die rechtlichen Rahmenbedingungen so anzupassen, dass wieder 410 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3