hen die Nutzerfreundlichkeit gegenüber den illegalen Angeboten, deren aggressive Anzeigenpraxis oftmals die Porno- und Glückspielindustrie be- werben. 4.3 Gesetzliche Lizenzen Legale wie auch illegale Geschäftsmodelle verfügen über komparative Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil der legalen Angebote im Verhält- nis zu illegalen ist die Reaktionsgeschwindigkeit, mit der auf die Nachfrage reagiert werden kann, und das durch Lizenzvereinbarungen limitierte An- gebot an verfügbaren Titeln je Anbieter. Da in der aktuellen Situation auch die größten Anbieter derzeit nicht in der Lage sind, das gesamte verfügba- re Repertoire bereitzustellen, werden NutzerInnen dazu gezwungen, ver- schiedene Dienste in Anspruch zu nehmen. Aus Konsumentensicht ist eine One-Stop-Lösung interessant, die, wie auch bei illegalen Angeboten, einen möglichst niederschwelligen Zugang zu einem möglichst breiten An- gebot bietet. Spotify und Deezer sind zwei legale Streaming-Dienste, die beide in Österreich angeboten werden. Ihr Repertoire ist nahezu identisch. Verfügt jedoch der eine Dienst über Lizenzen, die der andere nicht hat, so ist man gezwungen, wegen eines marginalen Unterschieds entweder beide Dienste zu abonnieren und auch in der Nutzung permanent zwi- schen den verschiedenen Applikationen beziehungsweise Abspielpro- grammen hin- und herzuschalten oder auf einen Teil des Repertoires zu verzichten. Bei Filmen stellt sich die Lage noch komplexer dar, da die An- bieter Streamingrechte für bestimmte Territorien ersteigern. Demzufolge sind Hulu, Netflix, Amazon Prime und andere Anbieter quasi komplemen- täre Güter. Streaming-Dienste stehen zueinander im Wettbewerb um das attraktivste Repertoire, wodurch sie einander im gemeinsamen Wettbe- werb gegen illegale Angebote noch weiter schwächen. Zu einem ähnli- chem Schluss gelangt auch Hilty (2009) für wissenschaftliche Publikatio- nen und die Frage, warum trotz des Internets und verbesserter technologischer Vertriebsmöglichkeiten das Angebot für akademische Li- teratur zum einen nach wie vor beschränkt ist und zum anderen die Preise für die Zugänge überhöht wurden. Hilty schlägt hier Zwangslizenzen als Lösung vor, eine ähnliche Konstruktion wie gesetzliche Lizenzen, mit dem Unterschied, dass nicht etwa Verwertungsgesellschaften einen Tarif fest- setzen, sondern über die Angebote frei verhandelt werden kann. Im Wesentlichen umspannt der Wettbewerb im Vertrieb drei Kategorien, Nutzbarkeit (usability), Repertoire und Preis. Nachdem die legalen Ange- bote nicht nur die administrativen Kosten von Hosting und Bereitstellung decken müssen, sondern auch die Lizenzgebühren einbringen, stehen sie den illegalen Angeboten hinsichtlich des Preises nach. Die abzudecken- den Kosten sind höher und wirken sich entsprechend auf den Preis aus. In 415 39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft