Dabei ist das Hauptproblem die exklusive Lizenzierung von Werken, die zur Zeit eine dynamische Entwicklung des Marktes verhindert. Derzeit gibt es weder in der Musik noch im Film einen One-Stop-Shop, bei dem Konsu- mentInnen das gesamte Repertoire legal erwerben können, wie dies bei der illegalen Konkurrenz (prinzipiell) der Fall ist. Die diesem Modell zu- grunde liegende Idee ist es, den Wettbewerb auf Nutzbarkeit und Preis zu reduzieren und die Konkurrenz um das Angebot – die lediglich zwischen legalen Anbietern besteht – durch eine gesetzliche Lizenz zu eliminieren. Dadurch werden legale Anbieter gegenüber illegalen konkurrenzfähig im Sinne von Varian (2005), der vorschlug, neue Kopiertechnologien wie den Markteintritt eines Mitbewerbers zu behandeln. Es ist wesentlich für die Debatte, zu berücksichtigen, dass das Urheber- recht die Basis für Geschäftsmodelle liefert und ein Instrument ist, das An- reize für kreatives Arbeiten schafft und Refinanzierung ermöglicht. Folg- lich ist es auch ein Instrument, das massentaugliche Werke bevorzugt und zu ungleichen Einkommensverteilungen führt. Seit jeher hat das Urheber- recht finanziell eine kleine Elite, die sogenannten happy few, begünstigt. Das Urheberrecht dient insofern der Finanzierung des marktgängigen Teils der Kreativwirtschaft (nachfrageseitig). Auf der anderen Seite sieht die europäische Kulturpolitik, die sich zumeist in direkten und angebots- seitigen Kultursubventionen äußert, ihre Aufgabe darin, kulturelle Vielfalt zu stimulieren und Angebote jenseits des vom Urheberrecht stimulierten Marktes zu ermöglichen. Anmerkungen 1 Eine ausführlichere Einführung in die Ökonomie des Urheberrechts habe ich gemein- sam mit Ruth Towse und Christian Handke in einem Überblicksartikel zusammenge- fasst; Towse, Handke, Stepan (2008). 2 Stepan (2009). 3 DiCola (2013). 4 Vogel (2011). 5 Danaher und Waldfogel (2012). 6 Stepan (2013). 7 Liebowitz (1985); Besen (1986). Indirect appropriability beschreibt, wie Privatkopien durch höhere Stückpreise kompensiert werden. So wurden etwa die Bibliothekspreise für Abonnements seit der Einführung von Kopiergeräten stark erhöht. Bibliotheken benötigten zwar weniger Exemplare, da Studierende die Artikel selbst vervielfältigen konnten, gleichzeitig wurde aber jedes einzelne Exemplar teurer, womit die Verlage den Umsatzausfall, der durch die rückläufige Stücknachfrage verursacht wurde, wieder aus- geglichen haben. 8 Heute würden zu file sharing auch Streamingdienste hinzukommen. 9 Varian (2000). Unter bundling versteht man das Anbieten von Produktbündeln entweder hinsichtlich der Anzahl an Titeln, sodass anstelle einzelner Titel ganze Werkbündel ver- kauft werden oder hinsichtlich Komplementärprodukten wie Poster, attraktive Verpac- kungen, Liedtexte, Bonusmaterialien etc. 418 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3