440 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3 Mainstream dieses Werk als unseriös und propagandistisch abtun dürfte. Doch „Arzt, heile dich selbst!“: Eine ex- zellente formale Methode ist weder un- bedingt notwendig noch an sich schon hinreichend, zur Systemverbesserung Wesentliches zu argumentieren, wie etwa Paul Davidson 2012 schrieb. Ökonomik ist eine angewandte, eine politische Disziplin. Zu suchen ist also die richtige Mischung aus wissen- schaftlicher Seriosität und argumenta- tiver Stringenz einerseits und Nützlich- keit und Kommunizierbarkeit, Debat- tierbarkeit und Demokratiequalität an- dererseits. Das Geniale ist oft das Ein- fachere, aber Treffendere, das andere als das Gewohnte, wie Keynes schon 1938 meinte. Der Flassbeck-Sammel- band ist ein ökonomisches Pamphlet im wertneutralen Sinn: eine Streit- schrift für eine bessere Welt. Es zeigt strikte Alternativen auf und trägt da- durch zur Vielfalt und Ausgewogenheit bei. So gesehen ist ein nicht ganz aus- gewogen argumentierendes ein insge- samt auswiegendes Werk. Es soll viele auf- und noch mehr anregen. Rainer Bartel Literatur Booth, Philip, Catholicism and Capitalism, in: Economic Affairs 29/3 (2009) 63-67. Davidson, Paul, Is economics a science? Should economics be rigorous? In: real- world economics review 59/1 (2012) 58-66. Galbraith, John K., Power and the Useful Economist, in: The American Economic Review 63/1 (1973) 1-11. Keynes, John M., The General Theory of Employment, Interest and Money (Lon- don 1936; London, New York 1973) 158ff. Keynes, John M., My dear Roy. Letter to R. F. Harrod (1938), in: Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of J. M. Keynes, Bd. XIV (London 1973) 11-12. Samuelson, Paul A., Succumbing to Key- nesianism, in: Challenge 28/1 (1985) 4-11. Solow, Robert M., The Labor Market as a Social Institution (Cambridge, Mass.; Oxford 1990). Stiglitz, Joseph E., Die Schatten der Globa- lisierung (München 2004).