beitnehmer und ihre Familien darauf vertrauen können, dass ihnen Verän- derungsprozesse Unterstützung bie- ten, sowohl seitens ihrer eigenen Ver- einigungen (Gewerkschaften) als auch seitens der Gesetzgebung und des Staates“ (S. 91). Im Unterschied zur defensiven Ausrichtung helfe die durchsetzungsfähige Sozialdemokra- tie beim Aufbau einer dynamischen und offenen Wirtschaft. Zu den Maßnahmen einer Marktkor- rektur zählt Crouch eine am Konzept der flexicurity orientierte Arbeitsmarkt- politik, die eine großzügige Arbeitslo- senunterstützung mit Hilfen bei Ar- beitssuche und Weiterbildung verbin- det, eine Politik der sozialen Investitio- nen im Bereich der Familie und der Bil- dung, eine Verbesserung der Arbeits- bedingungen und eine von den Ge- werkschaften beeinflusste, mit diesen koordinierte Tarifpolitik. Ansätze dazu sieht Crouch vor allem in nordeuropäi- schen Ländern. Crouch betont wiederholt, dass nur die Sozialdemokratie eine Alternative zum neoliberalen Fehlweg darstellen kann: „Heutzutage hat allein die Sozial- demokratie eine lange politische Tradi- tion, die es ihr erlaubt, diese Haltung (gemeint Anerkennung der Grenzen der Marktlösungen und Ergreifen von Maßnahmen, ET) rückhaltlos zu vertre- ten“ (S. 83) – in einem Bündnis mit an- deren: „Allein die Sozialdemokratie hat im Bündnis mit Umweltbewegungen und ähnlichen Organisationen die Fä- higkeiten für eine solche Mission.“ Kurz und bündig: „Nur eine Koalition aus So- zialdemokraten und Grünen kann uns retten“ (S. 83). Auch wenn die Chancen für eine ausgleichende Strategie (mit Markt- orientierung und marktausgleichenden Maßnahmen) angesichts der wach- senden sozioökonomischen und politi- schen Ungleichheit in allen Gesell- schaften schlecht stünden, hält der Au- tor an deren realer Möglichkeit fest. Das Problem sei nicht ein Mangel an Ideen, sondern ein Mangel an Macht. Crouch hat in der vorliegenden Ver- öffentlichung seine differenzierte Kritik an bestimmten Ausprägungen neolibe- raler Orientierung fortgesetzt. Im Ver- gleich mit seinem Buch aus 2011 hat er die Arena der Alternativen deutlicher konturiert. Seine Kernargumentation hinsichtlich einer durchsetzungsfähi- gen Sozialdemokratie hat er an vielen Stellen ausgeführt. Er hat verdeutlicht, wohin der Weg mit einer derart konfigu- rierten Sozialdemokratie und mit wel- chen Maßnahmen führen sollte/könn- te. Da der Autor für seine Argumentati- on aus der konkreten Welt der sozial- demokratischen Bewegungen (mit Ausnahme des Hinweises auf nordeu- ropäische Sozialdemokratien) aller- dings keine Belege bringt, spiegelt die- se mehr seine eigenen Optionen als die realer Bewegungen. Diesbezüglich mehr Differenzierung wäre wün- schenswert. Für die deutsche Übersetzung wurde der Untertitel „Ein Plädoyer für soziale Gerechtigkeit“ gewählt. Nach Crouch ist ein diesbezügliches Plädoyer „nicht nur eine Frage der Verteilung der Ein- kommen und der Güter, sondern auch eine der Macht, also eine Frage der Demokratie“ (S. 14 f). Dies ist ein inter- essanter Gedanke, der allerdings vom Autor in seinem Buch nicht näher aus- geführt wird. Der Begriff „soziale Ge- rechtigkeit“ findet sich an einigen Stel- len (S. 21, 201), ohne dass dieser nä- her erläutert wird bzw. die Ausführun- gen über Sozialpolitik und Wohlfahrts- staat mit dem Konzept der sozialen Gerechtigkeit verbunden werden. Der 447 39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft