Soziale Dienste im Überblick Rezension von: Nikolaus Dimmel, Tom Schmid, Soziale Dienste in Österreich, Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2013, 218 Seiten, broschiert, D 29,90. ISBN 978-3-706-55116-8. Soziale Dienstleistungen (S-DL) sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Sie sichern uns in sozialen Risikolagen ab und gewährleisten soziale Teilhabe- chancen. Durch die große Breite an Unterstützungsleistungen können praktisch alle Menschen zu einer ihrer Zielgruppen werden. Besonders ange- wiesen auf S-DL sind jedoch ältere Menschen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen, vom Abstieg Gefährdete bzw. sozial Exkludierte, MigrantInnen sowie Familien mit besonderem Bedarf (wie bspw. alleinerziehende Mütter). Trotz der immensen Bedeutung von S-DL für den Zusammenhalt der Ge- sellschaft wird die Arbeit ihre Erbringe- rInnen (zumindest finanziell) wenig anerkannt: Der Anteil an atypischer und entgrenzter Beschäftigung ist in diesem Sektor besonders hoch, wäh- rend die Löhne bei teilweise extremen Arbeitsbedingungen (wie der 24h- Pflege) eher gering ausfallen.1 Grund genug, sich genauer mit den Formen, Funktionen und Problemen S-DL in Österreich auseinanderzusetzen. Ni- kolaus Dimmel, Universitätsprofessor an der Universität Salzburg, und Tom Schmid, Institutsleiter der Sozioökono- mischen Forschungsstelle (SFS), ha- ben dies mit ihrem neuen Buch ver- sucht. Das Buch richtet sich vorwiegend an Studierende im Bereich der sozialen Arbeit, der Sozialpolitik und der Sozio- logie sowie an PraktikerInnen aus So- zialpolitik und Sozialplanung. Es ist als Lehrbehelf bzw. Nachschlagewerk konzipiert; einzelne Kapitel können so- mit auch unabhängig voneinander ge- lesen werden. Der Lehrbuchcharakter des Buches inkludiert einen recht tro- ckenen Schreibstil. Ziel des Buches ist es, sich dem The- ma der S-DL in Österreich systema- tisch und interdisziplinär zu nähern, um die Rolle und Bedeutung S-DL sowie aktuelle Aufgaben und Probleme in den Blick zu bekommen. Die beiden Autoren widmen sich auf den knapp 220 Seiten daher (1) der Definition S- DL, (2) dem regulatorischen Rahmen, (3) der Finanzierung, (4) den Vergabe- praktiken, (5) der Steuerung, (6) den Trägerstrukturen und Leistungserbrin- gerInnen, (7) der Ökonomik S-DL, (8) dem Verhältnis von S-DL und Sozialar- beit sowie (9) ausgewählten sozialen Risiken und Rechtsfragen sowie (10) den zukünftigen Herausforderungen des Sozialen Dienstleistungssektors. Merkmale, Arten und Aufgaben von sozialen Diensten Im ersten Teil des Buches widmen sich die Autoren den Aufgaben der S- DL. Diese liegen in der Prävention so- zialer Notlagen, der Risikokompensati- on sowie der sozialen Nachsorge. S- DL können stationär, mobil oder ambu- lant und auf verschiedenste Arten (Be- ratung, Betreuung, Unterbringung oder Pflege) erbracht werden. Sie erfüllen mehrere Funktionen: Sie tragen dazu bei, Lebensstandards aufrechtzuhal- ten, soziale Notlagen zu überwinden, die Grundversorgung zu sichern sowie Menschen im Sinne des Empower- ment zu eigenständigem Handeln zu aktivieren. 453 39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft