anliegen wurde in den Beiträgen unter- schiedlich eingelöst. In einigen über- wiegt die inhaltliche Darstellung des Themas, so z. B. bei Mugrauer (KPÖ), Pellar (Gewerkschaften) Wohnout (ös- terreichisch-italienische Beziehun- gen). Der Fokus in entwicklungsge- schichtlicher Hinsicht differiert zwi- schen Beiträgen, die den thematischen Faden seit Beginn der Ersten Republik verfolgen (so z. B. von Meixner, Dvo- rak, Thaler, Pellar, Klösch oder Wen- ninger), und anderen, die in erster Linie die Entwicklung 1933-1938 im Blick haben (wie Schafranek und Mugrauer). Das Anliegen, den Forschungsstand zu resümieren und damit zusammen- hängend Forschungslücken und For- schungsdesiderata zu markieren, wird in den meisten Beiträgen gut eingelöst. Die thematische Bündelung des jewei- ligen Forschungsstandes lässt nicht nur Konjunkturen in der Befassung mit Themen (z. B. Außenpolitik, Sozialde- mokratie), sondern auch deren unter- schiedliches Gewicht in der wissen- schaftlichen Aufarbeitung erkennen. So nimmt sich beispielsweise die Bear- beitung von Themen wie organisierte Gewalt, Justiz oder Eliten relativ be- scheiden aus im Vergleich mit Untersu- chungen – trotz aller Lücken – über die österreichische NSDAP. Zur kritischen Reflexion des For- schungsstandes sei exemplarisch auf die Beiträge von Schafranek, Langtha- ler und Wenninger verwiesen. Schafra- nek (S. 106) sieht das größte Defizit der bisherigen Forschung über die NSDAP darin, dass diese sich in erster Linie auf „Gegnerquellen“ stützt. Lang- thaler (S. 333) konstatiert, dass unge- achtet einer Fülle von Arbeiten zur Agrargeschichte die Bilanz mager aus- fällt: Die Agrargeschichte der 1930er- Jahre bilde bestenfalls ein Randthema, der Forschungsstand sei entspre- chend unausgewogen und zersplittert. Die traditionelle Militärhistorie ist selek- tiv, sie fokussiere nach Wenninger (S. 558) auf die Organisations- und Er- eignisgeschichte. In die Darstellung des Forschungs- standes fließen in einer Reihe von Bei- trägen die eigene Forschung der Auto- rInnen ein. Teils werden nicht nur For- schungslücken reflektiert, sondern dazu auch jeweils einschlägige Quel- lenbestände erläutert (so z. B. Enderel- Burcel/Neubauer-Czettel). Die Reflexion der Forschungsdesi- derata hat ein breites, buntes themati- sche Tableau erbracht, das nur exem- plarisch beschrieben werden kann. In einer Reihe von Beiträgen wird die ver- gleichende Perspektive (Dvorak, Senft, Thorpe, Selige, Pammer, Emin- ger, Wenninger) als Desiderat betont. Im Einzelnen wird als Desiderat die Stellung der Juden in der Sozialdemo- kratie, die Infiltration legaler Institutio- nen durch die NSDAP, der kommunis- tische Widerstand, der Einfluss des christlichsozialen Lagers auf die Re- gierungspolitik, die Rolle der Handels- kammern bei der Abschaffung der De- mokratie, biografische Untersuchun- gen, die Einbürgerungspraxis des Aus- trofaschismus, die Rolle der Justiz, die Resonanz im Ausland auf die Verfas- sungsänderungen, das Freiwillige Schutzkorps, die explizite geschlech- terpolitische Perspektivierung und die Gesamtschau der österreichischen Außenpolitik 1933-1938 benannt. In den unterschiedlichen Bezeich- nungen des Herrschaftssystems spie- geln sich dessen traditionell differenten Einschätzungen. Verwenden Heraus- geber/Herausgeberin und einige Auto- rInnen (wie Seliger, Mugrauer, Senft, Pammer, Thorpe) den Begriff „Austro- 458 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3