464 Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3 amerika nachgeahmt worden. Im Un- terschied dazu meint der Autor, dass es in diesem Zeitraum in England ein zyklisches Wachstum der Mechanisie- rung in der Industrieproduktion gab, so wie es schon früher mehrere Male vor- gekommen war und auch später einige Male vorkommen würde. Es handelt sich also um einen Prozess der Welt- wirtschaft als Ganzes, der besonders zum Vorteil Englands beitrug, nach dessen Sieg über Frankreich in der Auseinandersetzung um die Rolle als neue Hegemonialmacht im Weltsys- tem. Bezüglich der Französischen Revo- lution herrschte lange Zeit die soge- nannte soziale Interpretation vor, die in der Revolution den Sturz der feudalen Kräfte durch die Bourgeoisie sah, der es Frankreich ermöglichte, ein kapita- listisches Land zu werden. In den letz- ten vierzig Jahren wurde diese Inter- pretation durch eine andere in Frage gestellt, die in der Französischen Re- volution den Versuch sieht, einen libe- ralen parlamentarischen Pfad einzu- schlagen, der aber misslang. Auch hier stimmt der Autor mit keiner der beiden Ansichten überein. Für ihn war Frankreich schon lange vorher ein wesentlicher Bestandteil der kapitalisti- schen Weltwirtschaft geworden. Viel- mehr sieht der Autor die Französische Revolution zum Teil als letzten Ver- such, England in der Auseinanderset- zung um die Stellung als Hegemonial- macht zu besiegen, und zum Teil als eine antisystemische (d. h. antikapita- listische) Revolution in der Geschichte des modernen Weltsystems, die im Grunde genommen scheiterte. Nach Ansicht des Autors ist das mo- derne Weltsystem von zwei großen zyklischen Prozessen bestimmt. Der eine ist jener der Kondratjew-Zyklen, die jeweils rund fünfzig bis sechzig Jahre dauern – Zyklen des Wachstums und der Stagnation der Weltwirtschaft als Ganzes. Der zweite ist viel langsa- mer: der Prozess des Aufstiegs und des Niedergangs von Hegemonial- mächten im internationalen Staaten- system. Für diese Analyse hat Wallerstein so viele empirische Belege angeführt, wie er zusammentragen konnte, und alle ihm zur Verfügung stehenden theoreti- schen Argumente. Der Autor bietet da- mit eine Analyse an, die der Totalität der weltweiten gesellschaftlichen Rea- lität besser gerecht wird als andere Versuche, das lange 19. Jahrhundert zu erklären. Josef Schmee