42. Jahrgang (2016), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft Zinsniveau für Staatsanleihen so niedrig wie nie. Bei hohem Bedarf und günstigen Finanzierungskosten verhindern nur die europäischen Fiskalregeln das wirtschaftlich Vernünftige. Sie schränken den Spielraum der öffentlichen Hand für sinnvolle Investitionen unsinnig ein und behindern damit kurzfristig die Konjunktur ebenso wie langfristig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. BIP pro Kopf: 27% über dem EU-Schnitt Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist der gebräuchlichste Indikator für eine Gesamteinschätzung der Produktion von Gütern und Dienstleistungen im internationalen Vergleich. Es betrug in Österreich 2015 zu Kaufkraftstandards 36.400 Euro und lag damit um 27% über dem EUDurchschnitt, zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 betrug der Abstand hingegen nur 23%. Das gibt einen klaren Hinweis darauf, dass Österreich besser durch die von Banken und Finanzmarktakteuren ausgelöste Krise gekommen ist als viele andere EU-Länder. Das Niveau des BIP pro Kopf ist das vierthöchste in der EU: Vor uns liegen Luxemburg (Stadt mit Umland und Steuerdumping), Irland (Land der steuerminimierenden Multis ohne Ertrag für die heimische Bevölkerung) und die Niederlande (einstmals gefeiertes Modell, mittlerweile Steueroase). Doch hier soll nicht in das beliebte Spiel des wechselseitigen Ausspielens von Standorten durch medial verbreitete Rankings verfallen werden, denn wirtschaftlich ist es für uns nur erfreulich, wenn die Produktion bei allen Handelspartnern hoch ist. Deshalb ist es so besonders besorgniserregend, wenn die Wirtschaftsleistung bei unserem drittwichtigsten Handelspartner Italien seit Beginn der Finanzkrise um ein Zehntel zurückgegangen ist. Und es ist erfreulich, wenn bei unserem wichtigsten Handelspartner Deutschland nach langen Jahren der Stagnation endlich die Löhne wieder anziehen und die wirtschaftliche Erholung damit an Fahrt aufnehmen kann. Dies ist wichtig für die ArbeitnehmerInnen in Deutschland, aber auch für die Handelspartner wie Österreich. Die Belebung von Industrieproduktion und Ausrüstungsinvestitionen sowie die gemächliche Erholung der Konsumnachfrage ergeben ein relativ optimistisches Konjunkturbild für 2017; die derzeit in Umlauf befindlichen Prognosen könnten von der Realität durchaus übertroffen werden. Zwar befinden wir uns nicht in einem traditionellen Aufschwung, der Wachstumsraten von 3-4% mit sich bringen würde, denn die wirtschaftlichen Risiken vor allem im internationalen Finanz- und Bankensektor sind erheblich und die Unsicherheit ist weit verbreitet, doch die heimische Konjunktur weist derzeit klar nach oben. 551