Wirtschaft und Gesellschaft 42. Jahrgang (2016), Heft 4 Trendwende auf dem Arbeitsmarkt Dies spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt, der eine Trendwende vollzieht. Seit dem II. Quartal 2016 steigt die Arbeitslosigkeit kaum noch, und im November ging sie erstmals gegenüber dem Vorjahr zurück, bei den registrierten Arbeitslosen um 3.600 Personen, trotz der langsam stärker werdenden Einbindung der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt weist im Bereich der Beschäftigung noch deutlich klarere Konturen auf. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten lag in den ersten elf Monaten des Jahres 2016 durchschnittlich um 51.000 über dem Vorjahreswert (+1,4%), 2015 lag der Zuwachs durchschnittlich bei 0,9%. Seit der zweiten Jahreshälfte 2015 begann auch die InländerInnenbeschäftigung wieder zuzunehmen, und seit August 2016 hat diese Zunahme deutlich an Dynamik gewonnen (+0,5% gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Selbst die Industriebeschäftigung, die normalerweise aufgrund des kräftigen Produktivitätswachstums leicht rückläufig ist, hat in den letzten Monaten zugenommen. Besonders wichtig ist jetzt auch, dass Vollzeitbeschäftigung und Zahl der geleisteten Arbeitsstunden wieder steigen. Dennoch bleibt der Arbeitsmarkt das wichtigste Sorgenkind und spiegelt das Anhalten der Finanzkrise. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen lag 2016 um knapp 150.000 über dem Vorkrisenniveau von 2008, und bezieht man die arbeitslosen SchulungsteilnehmerInnen mit ein, so betrug der Anstieg sogar fast 170.000. Die markante Zunahme der Arbeitslosigkeit hatte im Wesentlichen zwei Gründe. Zum Ersten ist sie eine direkte Folge der europäischen Finanzkrise. Zwar übertraf das reale Bruttoinlandsprodukt 2016 das Niveau von 2007 um etwa 6%, es blieb aber um bis zu einem Fünftel unter einer hypothetischen Fortschreibung des Wachstumstrends 1988-2008 zurück. Wendet man die ökonomischen Faustregeln an, so hat die Finanzkrise das Entstehen von etwa 300.000 neuen Arbeitsplätzen verhindert. Der Rückschlag in der Nachfrage nach Arbeitskräften spiegelt sich weniger in der Zahl der Beschäftigten, die derzeit um gut 6% über dem Niveau von 2008 liegt und ähnlich stark wie in Deutschland gewachsen ist, sondern in der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, die erst 2016 das Vorkrisenniveau wieder überschritten hat. Zum Zweiten ist die Arbeitslosigkeit ein Ergebnis des enormen Anstiegs des Angebots an Arbeitskräften. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist seit 2008 um nahezu 250.000 (+4,4%) gestiegen, vor allem infolge der starken Zuwanderung. Die Herkunftsländer der Migration sind vor allem Deutschland, in zunehmendem Ausmaß allerdings auch Ungarn, Rumänien, Bulgarien und andere osteuropäische Länder. Dazu kommt ein merklicher – und auch wünschenswerter – An552