42. Jahrgang (2016), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft Darauf aufbauend schätzt die OECD (2015b) die partielle Substitutionselastizität zwischen Kapital und Arbeit in 19 OECD-Ländern für den Zeitraum 1990-2012.11 Es wird gezeigt, dass eine permanente Verringerung der Kapitalnutzungskosten um 5%, als Proxy für einen Anstieg der IKT-Investitionen, mittel- bis langfristig (länger als 10 Jahre) beschäftigungsneutral ist. Kurzfristig führen IKT-Investitionen aber zu einer Freisetzung von Beschäftigten, die über Einkommens- und Preiseffekte kompensiert wird. Für die Nationalstaaten ist der Effekt von IKT-Investitionen von der Geschwindigkeit der Preissenkung für IKT-Kapital abhängig. Wenn diese Geschwindigkeit abnimmt (d. h. weniger in IKT investiert wird), dann überwiegen die negativen Beschäftigungseffekte. Dies lässt sich etwa für Österreich für die Jahre vor 2001 sowie zwischen 2007 und 2012 beobachten. Betrachtet man aber die Branchenebene und nicht die gesamte Volkswirtschaft wird deutlich, wie wichtig die Nachfrageelastizitäten für potentielle Beschäftigungseffekte sind. Eine Studie von Blien und Ludewig (2016) zeigt, dass technischer Fortschritt, im Sinne von Produktivitätszuwächsen, in Branchen mit elastischer Nachfrage (Preis- und Einkommenselastizität >1) signifikant positive Effekte auf die Beschäftigung hat, während in Branchen mit unelastischer Nachfrage die Auswirkungen negativ sind. Doch die Betrachtung der Branchenebene ist nicht nur hinsichtlich der Kompensationseffekte von Bedeutung. Auch das Ausmaß der Substitutionseffekte unterscheidet sich maßgeblich zwischen den Sektoren. Dies wird von der OECD (2015c) gezeigt, indem die Arbeitsnachfrageeffekte von IKT-Investitionen auf der Branchenebene in 18 OECD-Ländern zwischen 1995 und 2012 geschätzt wird. Ohne Berücksichtigung kompensierender Nachfrageeffekte führen IKT-Investitionen in allen Sektoren (ausgenommen öffentlicher Sektor und Pflege) zu einer – teils mehr, teils weniger starken – Reduktion der Arbeitsnachfrage. Während man in Sektoren wie Energie und Finanzdienstleistungen fast keine Substitutionseffekte zwischen Arbeit und IKT beobachten kann, sinkt im IKT-Sektor die Beschäftigung um 4%, wenn die Kapitalnutzungskosten für IKT um 10% sinken. Durch die Miteinbeziehung der Nachfrageeffekte über die Einkommens- und Preiselastizität werden die Substitutionseffekte abgeschwächt, und in manchen Sektoren überwiegen die Kompensationseffekte, sodass es zu leichten Arbeitsnachfragesteigerungen kommt. Für Österreich trifft das auf die Sektoren Energie, Finanzdienstleistungen sowie öffentliche Institutionen und Pflege zu. Diese Studien zeigen, dass für die Abschätzung der Beschäftigungseffekte des technologischen Wandels die Analyseebene und die zeitliche Dimension eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere die beiden OECD-Studien verdeutlichen, dass (i) kurzfristig IKT-Investitionen zur Freisetzung 599