42. Jahrgang (2016), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft und dem technologischen Wandel wird in fast allen empirischen Studien unterstrichen. Zum Beispiel untersuchen Karabarbounis und Neiman (2014) den Rückgang der Lohnquote in 59 Ländern für die Periode 1975 bis 2012. Das Hauptergebnis der Studie ist, dass sinkende relative Preise von Investitionsgütern, die oft dem technischen Fortschritt bei den IKT zugeschrieben werden, die Hälfte des beobachteten Rückgangs der Lohnquote im Betrachtungszeitraum erklären können. Die Produktion wird durch den technischen Fortschritt generell kapitalintensiver oder, in den Worten von Karabarbounis und Neiman (2014, S. 61): „Efficiency gains in capital-producing sectors […] induced firms to shift away from labor and toward capital to such a large extent that the labor share of income declined.“ Drittens wurde in jüngster Zeit gezeigt, dass der technologische Wandel auch zu einer erhöhten Marktkonzentration geführt hat, welche insbesondere in IKT-intensiven Branchen stark ausgeprägt ist.24 Von der OECD wird dies mit der Bedeutungszunahme von wissensbasiertem Kapital (KBC) argumentiert. KBC umfasst eine Vielzahl immaterieller Güter wie Softwareprodukte, Datenbanken, Eigentums- und Patentrechte oder Markenwerte. Auf der Produktionsseite entstehen dabei Skaleneffekte, da immaterielle Güter zu geringen Grenzkosten produziert werden können. Die Entwicklung einer Software kann z. B. hohe Profite alleine durch die Lizensierung einer großen Zahl von Kopien ohne zusätzliche Produktionskosten ermöglichen. Auf der Nachfrageseite treten ebenfalls Skaleneffekte auf, die aufgrund von Netzwerk- und Reputationseffekten bei KBC-intensiven Gütern häufig auftreten. Netzwerkeffekte kommen v. a. dann zum Tragen, wenn der Wert eines Gutes mit der Anzahl seiner NutzerInnen steigt. Dies ist sowohl bei sozialen Netzwerken der Fall als auch bei Plattformen, die Dienstleistungen anbieten (Uber, AirBnB). Aufgrund der Eigenschaften von KBC folgt, dass auf die Produktion von KBC spezialisierte Branchen üblicherweise sehr konzentriert sind und von wenigen Unternehmen dominiert werden, die oft globale Marktmacht erreicht haben und daher Monopoloder Oligopolgewinne abschöpfen können. So lag 2011 der Marktanteil der fünf größten Unternehmen einer Branche in den USA in technologieintensiven Branchen mit 20-45% weit über dem Durchschnitt.25 Ein typisches Beispiel für die hohe Marktkonzentration ist der Markt für Smartphone-Betriebssysteme, der zu 90% von Apple und Google geteilt wird.26 Die durch die Erzielung von Netzwerkeffekten sowie durch die intensive Fusionstätigkeit dieser Branche27 verursachte hohe Unternehmenskonzentration schafft häufig “winner-takes-all”-Strukturen. Gleichzeitig erhöht die hohe Innovationsgeschwindigkeit aber auch das Risiko für Unternehmen, in KBC-intensiven Märkten erfolgreich zu sein. Diese Unsicherheit schlägt sich in höheren Risikoprämien für Investitionen in KBC-intensiven 607