Wirtschaft und Gesellschaft 42. Jahrgang (2016), Heft 4 Welche Diskrepanzen sind zweitens im Bereich der nicht im Arbeitsmarkt befindlichen Personen zu vermuten? Ÿ Der Anteil der Personen, die sich noch im Ausbildungsprozess befinden, wird unter den hoch Qualifizierten infolge des längsten Bildungsweges am höchsten, bei den gering Qualifizierten hingegen kaum vorhanden sein. Ÿ Personen mit akademischer Ausbildung bleiben aufgrund ihrer günstigen Einkommenssituation und wegen der wesentlich besseren Arbeitsbedingungen, d. h. solcher, welche die physische und psychische Gesundheit weniger beeinträchtigen, viel länger im Arbeitsprozess als PflichtschulabsolventInnen. Ÿ Hoch qualifizierte Personen, die nicht erwerbstätig sind, weil sie Betreuungsaufgaben im Haushalt wahrnehmen, haben aufgrund der Einkommensdifferenz weit höhere Opportunitätskosten (entgangenes Arbeitseinkommen) in Rechnung zu stellen als gering Qualifizierte und unterliegen deshalb weit stärkeren Anreizen, selbst eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen und spezialisierte AnbieterInnen mit den Betreuungsleistungen zu beauftragen. Ÿ Der Anteil der Nichterwerbspersonen, die grundsätzlich arbeitswillig und -fähig sind, die Arbeitssuche aber aufgrund des Missverhältnisses zwischen den eigenen marktfähigen Kompetenzen und jenen, die auf den Arbeitsmärkten nachgefragt werden, entmutigt aufgegeben haben, ist unter den Höchstqualifizierten wesentlich geringer als unter jenen Personen, die höchstens eine Pflichtschule abgeschlossen haben. Ÿ Der Anteil an Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht erwerbstätig sind, ist unter den hoch Qualifizierten signifikant geringer als unter den gering Qualifizierten. Gemäß der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2014 schätzten 90% der Männer und 86% der Frauen mit Hochschulabschluss ihren Gesundheitszustand subjektiv als „sehr gut“ oder „gut“ ein, aber nur 69% der Männer und 67% der Frauen mit einem Pflichtschulabschluss.54 Zieht man alle diese jeweils ein Segment der Nichterwerbsbevölkerung betreffenden Hypothesen und ihre quantitative Bedeutung sowie die Hypothese bezüglich der Arbeitslosenquote in Betracht, so ergibt sich die erste Gesamthypothese, dass die UniversitätsabsolventInnen eine weit höhere Erwerbstätigenquote haben als die Personen mit Pflichtschulabschluss. Und die zweite Hypothese lautet, dass es generell einen positiven Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Erwerbstätigenquote gibt: je höher der Bildungsabschluss, desto höher die Erwerbstätigenquote. Aus Abbildung 2 lassen sich Niveaus und Entwicklungstendenzen der Erwerbstätigenquoten je Bildungsstufe entnehmen. Und Abbildung 3 schließlich veranschaulicht die Unterschiede zwischen den Erwerbstäti640