42. Jahrgang (2016), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft im Beobachtungszeitraum noch verstärkt. Der Anteil des ersten Quintils an den Gesamteinkommen fiel zwischen 1995 und 2012 um rund ein Drittel, nämlich von 2,9% auf 1,9%. Das unterste Fünftel der nach der Höhe des Bruttojahreseinkommens geordneten Beschäftigten umfasste mithin die unterjährig und geringfügig Beschäftigten. Die Veränderung der Ungleichheit nicht nur am unteren Rand, sondern auch in der unteren Hälfte der Verteilung überhaupt wird von der starken Zunahme des Anteils der atypischen Beschäftigungsformen (Teilzeitbeschäftigung, befristete Beschäftigung, geringfügige Beschäftigung, Leiharbeit) bestimmt.59 Infolgedessen sank auch der Anteil des zweiten Quintils deutlich, nämlich von 10,9% um mehr als ein Sechstel auf 9,0%, und der Anteil des dritten Quintils verringerte sich von 17,7% auf 16,8%. Die Umverteilung von unten nach oben erfolgte ganz überwiegend zugunsten des obersten Fünftels der Lohn- und Gehaltseinkommen: Der Anteil des fünften Quintils erhöhte sich von 44,4% (1995) um 3,2 Prozentpunkte auf 47,6% (2012), während der Anteil des vierten Quintils nur leicht zunahm. Aufs oberste Fünftel der unselbstständig Beschäftigten entfiel 2012 fast die Hälfte der Gesamteinkommen, und aufs vierte Quintil rund ein Viertel. Tabelle 3: Verteilung der lohnsteuerpflichtigen Einkommen 1995-2012 nach Quintilen (jeweils in % der Gesamtsumme der Löhne und Gehälter) 1995 2000 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 1. Quintil 2,9 2,5 2,2 2,2 2,2 2,1 2,0 2,0 1,9 1,9 2. Quintil 10,9 10,2 9,5 9,5 9,4 9,4 9,2 9,2 9,1 9,0 3. Quintil 17,7 17,4 17,2 17,1 17,0 17,0 16,9 16,8 16,9 16,8 4. Quintil 24,1 24,2 24,5 24,5 24,4 24,4 24,5 24,6 24,6 24,6 5. Quintil 44,4 45,7 46,5 46,7 46,9 47,1 47,4 47,4 47,5 47,6 Quelle: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik, WIFO-Berechnungen; zitiert aus Glocker et al. (2014) 272. Angesichts der langfristigen Anteilsverluste der Standardbeschäftigung (ganzjährige Vollzeitbeschäftigung) und der absoluten und relativen Bedeutungsgewinne der Teilzeitbeschäftigung und der geringfügigen Beschäftigung60 kann die Zunahme der Lohnungleichheit unter der Gesamtheit der unselbstständig Erwerbstätigen nicht überraschen. Die Entwicklung des Gini-Koeffizienten zwischen 1995 und 2012 liefert weitere Evidenz für diese Tendenz zu verstärkter Ungleichheit unter den Lohn- und Gehaltseinkommen aller unselbstständig Beschäftigten. (Das Verteilungsmaß Gini-Koeffizient kann Werte zwischen 0 [= Gleichverteilung] und 1 [= eine Person bezieht das gesamte Einkommen] annehmen.) Wie Tabelle 4 zu entnehmen ist, erhöhte sich der Gini-Koeffizient von 0,41 657