Wirtschaft und Gesellschaft 42. Jahrgang (2016), Heft 4 zeitverkürzung und Beschäftigung, während Zeitreihenmodelle mit aggregierten Daten eher positive Schätzungen hervorbringen. Aufbauend auf der Arbeit von Kapteyn et al. (2004) wird hier ein makroökonomisches Modell weiterentwickelt, dass versucht, langfristige Beziehungen zu schätzen. Für ein Panel aus 18 europäischen Ländern werden zwei Weiterentwicklungen der exisitierenden Zeitreihenliteratur vorgenommen: Erstens werden die durchschnittlichen Arbeitsstunden von Vollzeitarbeitnehmern verwendet und dadurch der Effekt von Teilzeitarbeit isoliert. Zweitens wird auf die Querschnittsabhängigkeit der Daten kontrolliert. Das Resultat des ARDL-Modells legt einen positiven Zusammenhang zwischen kürzerer Wochenarbeitszeit und Beschäftigung nahe. Anmerkungen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Unter Beschäftigungseffekt ist nicht ausschließlich Beschäftigungszuwachs – also die Schaffung neuer Arbeitsplätze – zu verstehen, sondern auch die Auswirkungen auf bestehende Arbeitsplätze, wie Sicherung oder Abbau existierender Arbeitsplätze durch Arbeitszeitverkürzung. Green (2001). Lee (2016) bietet eine kurzweilige Zusammenfassung. In Belgien gilt seit den 1980er Jahren die 38-Stunden-Woche. In Österreich ist dieses Phänomen aber eher unbedeutend, 2015 übten um die 39.000 Personen (1,2% der Beschäftigten) mehr als eine Beschäftigung aus (Hauptverband 2016). Statistik Austria (2009), Freidl und Hauer (2015). Hunt (1996, 1999); Calmfors and Hoel (1989); de Regt (2002). Fitzroy et al. (2002); Marimon and Zilibotti (2000); Moselle (1996); Rocheteau (2002); Huang et al. (2002). Stündlich bezahlte Erwerbstätige ohne Gewerkschaftsabdeckung. Die maximale normale Arbeitswoche wurde in zwei Schritten von 44 auf 40 Stunden verkürzt. Die Verkürzung galt für alle unselbständigen Beschäftigungsverhältnisse. Bosch (1990). Hier spielen natürlich institutionelle Rahmenbedingungen wie die soziale Infrastruktur als Determinanten des Arbeitsangebots von Personen mit Betreuungspflichten eine große Rolle. Siehe Bosch und Lehndorff (2001). Hermann (2000). Diese Studien arbeiten mit makroökonomischen Daten. Wenn die Summe der neu geschaffenen Einkommen (durch neue Beschäftigungsverhältnisse) niedrigere Einkommen (durch aufgelöste Beschäftigungsverhältnisse oder niedrigere Monatseinkommen) übersteigt. Belgien, Irland, Italien, Portugal, Großbritannien, Tschechien, Griechenland, Luxemburg, Slowakei, Schweiz, Dänemark, Spanien, Niederlande, Finnland, Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweden. 680