42. Jahrgang (2016), Heft 4 trägt Shaikh die wichtigsten Ideen zusammen. Diese immerhin konzise Zusammenfassung bietet kaum Neuigkeitswert, und einige Hinweise auf bereits existierende Fachliteratur, wie beispielsweise das Referenzwerk von Snowdon und Vane (2005), hätten ausgereicht. Im Anschluss entwickelt er seine eigenen Theorien zu den klassischen Kerngrößen der Makroökonomie, also Löhnen, Arbeitslosigkeit, Inflation, Wachstum und Profitabilität. Schließlich ist die letztgenannte Größe aus Shaikhs Sicht auch der zentrale Treiber für die Entwicklungstendenzen der kapitalistischen Produktionsweise und somit auch die Wurzel wiederkehrender Krisen. Leider ist gerade dieser spannende Teil des Buches sehr kurz geraten. Turbulente Regulation und realer Wettbewerb „Capitalism“ ist dem Autor zufolge ein Versuch, die ökonomische Theorie von realen Gegebenheiten abzuleiten. Shaikh charakterisiert den Kapitalismus als dialektisches System von Ordnung und Unordnung, wobei unterschiedliche ökonomische Denkschulen jeweils nur auf eine der beiden Zuschreibungen fokussieren. Die neoklassische Orthodoxie argumentiert ihm zufolge die Ordnung und Stabilität einer Marktwirtschaft und beschäftigt sich davon ausgehend mit potenziellen Abweichungen von diesem Zustand. Die Heterodoxie, allen voran der Postkeynesianismus, nimmt hingegen eine gegensätzliche Perspektive ein. Sie unterstreicht Ungleichgewichte und Instabilitäten der Marktwirtschaft und zeigt Möglichkeiten der Stabilisierung durch die öffentliche Hand auf. Die Neoklassik habe ihren Ausgangspunkt Wirtschaft und Gesellschaft somit in einer idealisierten, perfekten Version des Kapitalismus, die Heterodoxie greife den Abstand zwischen dieser Vision und der realen Welt auf. Shaikh sieht die beiden Ansätze als Spannungsfeld zwischen „Perfektion“ und „Imperfektion“, allerdings mit demselben Bezugspunkt: eine idealisierte Welt. Den keynesianisch geschulten KollegInnen unterbreitet er ein Angebot: „To my many Keynesian and post-Keynesian friends, I propose that we reject the claim that perfect competition was ever appropriate and refuse the notion that observed outcomes should be attributed to historically arisen imperfections. The economic dynamics of capitalism arise from competition itself. There was never any Garden of Eden, and our current condition does not stem from its loss.“ (S. 747) Folglich möchte er sich von den konventionellen Ansätzen der ökonomischen Analyse abheben und unternimmt eine Untersuchung der realen Welt statt perfekter oder imperfekter Modellwelten. Shaikh erklärt, dass hinter vielen beobachteten, wiederkehrenden Mustern in der langfristigen ökonomischen Entwicklung („pattern recurrence“) intrinsische Kräfte stecken. Diese immanenten Mechanismen sind als unruhige Fluktuationen rund um dynamische Pfade und nicht als stabile Gleichgewichte zu verstehen. Denn die zugrunde liegenden Kräfte werden von einer Reihe an Faktoren laufend beeinflusst: Institutionen, Machtverhältnissen, Produktivität, Wettbewerb und vielen mehr. Shaikh stellt diese von ihm bezeichnete „turbulente Regulation“, die von stetigen Über- und Untertreibungen gekennzeichnet ist, der allgemeinen Gleichgewichtstheorie gegenüber. Er versteht 687