den sie das Klima zwischen ihren KollegInnen und das Verhältnis zu Vorgesetzten als besser. Diese Erkenntnisse können als Anhaltspunk- te gewertet werden, dass Unternehmen einerseits auf Arbeitsverdich- tung und andererseits auf verstärkte Motivation setzen. So würden gering bezahlte Tätigkeiten etwa durch bessere Organisation aufge- wertet. Unter dem Strich stieg die Zufriedenheit der Mindestlohnbe- schäftigten mit ihrem Lohn, mit der Vereinbarkeit von Beruf und Fami- lie, aber auch mit ihrer Arbeitssituation deutlich an. Makroökonomische Effekte des Mindestlohns in Deutschland sind dagegen kaum nachweisbar. Im Vorfeld der Einführung des deutschen Mindestlohns war die ökonomische Debatte aufgeheizt. Prominente ÖkonomInnen vor allem unternehmensfreundlicher Forschungsinstitu- te übertrafen sich mit Prognosen, welch enorme Beschäftigungsverlus- te zu erwarten wären. Dabei ging die internationale wissenschaftliche Debatte, vor allem in den USA, aber auch in Großbritannien bereits seit Mitte der 1990er-Jahre von ambivalenten Effekten des Mindestlohns auf die Beschäftigung aus – negative wie auch positive Ergebnisse wurden publiziert. In Deutschland verschob sich die wissenschaftliche Debatte dennoch so weit, dass auch progressivere Institute deutliche Beschäftigungsverluste prognostizierten. Insgesamt waren so kaum Gegenstimmen zu den – letztlich weit überzogenen – Simulationen zu Beschäftigungsverlusten zu vernehmen. In einer ersten Welle von Studien 2007/2008 kamen die meisten der- selben zu Ergebnissen, wonach die Zahl der Beschäftigten bei einem Mindestlohn von A 7,50 um 750.000 bis fast 1,2 Mio. sinken würde. Eine zweite Welle von Studien zum Teil derselben Forschungsinstitute setz- te 2014 den Mindestlohn bei A 8,50 an und schätzte die negativen Be- schäftigungseffekte auf 500.000 bis 900.000. Die ersten empirischen Studien über die tatsächlichen Auswirkungen der Mindestlohneinführung, die sich auf Daten aus dem Jahr 2016 stüt- zen, zeigen: Etwas weniger Aufgeregtheit hätte der Debatte gutgetan. Die meisten Modelle lagen nämlich weit daneben. Die tatsächlichen Beschäftigungseffekte lagen den bisherigen Daten nach zwischen null und 60.000 „nicht geschaffener“ Arbeitsverhältnisse – bei ca. 32 Mio. Beschäftigten in Deutschland. Die einzige Beschäftigungsform, bei der tatsächlich Einbrüche zu verzeichnen waren, sind Minijobs (geringfügi- ge Beschäftigung). Allerdings ging ein Gutteil dieser Arbeitsplätze nicht verloren, sondern wurde in sozialversicherungspflichtige Beschäfti- gung aufgewertet. Der deutsche Arbeitsmarkt wuchs somit von der Ein- führung des Mindestlohns weitgehend unbeeindruckt weiter. Andere Auswirkungen sind auf makroökonomischer Ebene ebenfalls kaum zu verzeichnen. Die höhere Nachfrage der untersten Einkom- mensgruppen, die ca. 80% des zusätzlichen Einkommens kurzfristig 174 Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2