ist, Zeitguthaben anzusparen. Eine Angestellte beispielsweise nennt ihre Situation als alleinerziehende Mutter als ausschlaggebenden Grund für die Wahl der FZO. Diese verwendet sie nur, wenn ihre Tochter auch zu- hause ist, z. B. an schulautonomen Tagen, was ihr eine gewisse zusätzli- che Flexibilität verschafft. Als Mutter hätte sie nicht die Möglichkeit, ein Überstundenpolster aufzubauen. „Die Kollegen, die keine FO haben, die haben sowieso über 80 oder 100 Überstunden und haben ein großes Polster und sie können sich frei nehmen, wann sie wollen. Das ist der Nachteil bei mir. Ich habe nicht so ein Polster. Früher hatte ich eins, aber ich habe alles aufgebraucht, mit einem kleinen Kind geht es nicht anders.“ (IP-3) Eine Arbeiterin (IP-11) weist darauf hin, dass sie zwei Kinder und Schwiegereltern im fortgeschrittenen Alter hat. Mit der FZO kann sie flexi- bel auf Pflege- oder Kinderbetreuungsbedarf reagieren. Auch sie verweist auf den Druck, der entsteht, wenn Minusstunden eingebracht werden müssen. Die FZO bietet insofern eine Erleichterung, da beispielsweise über Weihnachten weniger Minusstunden anfallen. Bei männlichen Befragten hingegen wird oft deutlich, dass sie Fensterta- ge o. Ä. ohnehin gut mit Zeitausgleich abdecken können. So meint ein männlicher Angestellter, der die FZO für einen früheren Pensionsantritt oder eine längere Auszeit nehmen will: „Es ergibt sich so genug Zeitausgleich, dass ich sage, wenn es sein muss, dann bleibe ich einen Freitag aus Zeitausgleich zuhause. Also aus dem ist immer wieder etwas da. Und Urlaub schlepp ich leider auch noch sehr viel nach.“ (IP-1) 6.5 Auswirkungen auf Lebensqualität und Work-Life-Balance Die befragten Beschäftigten zeigen sich durchaus zufrieden mit der FZO und verweisen in mehreren Fällen auf die positiven Auswirkungen auf die individuelle Lebensqualität. Da die zusätzliche Freizeit pro Monat recht be- schränkt ist (5, 3,93 bzw. 3,33 Stunden) und zudem oft angespart wird, ist selbstverständlich nicht davon auszugehen, dass sich die FZO grundle- gend auf das tägliche Wohlbefinden auswirkt. Der Zugewinn an Lebens- qualität wird vielmehr in dem Sinne wahrgenommen, dass sich die indivi- duellen Gestaltungsfreiräume von Arbeits- und Freizeit erhöhen. Positive Effekte ergeben sich den Befragten zufolge also vor allem aus der größe- ren Flexibilität und Autonomie hinsichtlich der eigenen (Arbeits-)Zeitge- staltung. So meint ein Interviewpartner (IP-8), dass der tatsächliche Effekt von fünf zusätzlichen Freizeitstunden wohl zu vernachlässigen sei. Trotzdem schätzt er die subjektiv empfundene Auswirkung auf die Lebensqualität positiv ein, da sich die individuelle Entscheidungsfreiheit vergrößert hat. Eine Arbeiterin (IP-11) meint, dass sich durch die FZO der Druck verrin- 192 Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2