als möglich, in ihrem Ausmaß aber als durchaus vernachlässigbar erach- tet. In Summe kann festgehalten werden, dass die Freizeitoption von den Beschäftigten durchaus als Instrument wahrgenommen wird, welches das Potenzial hat, Lebensqualität zu erhöhen, Zeitsouveränität zu steigern und eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sich diese Ergebnisse lediglich auf die Evaluierung in einem Unternehmen stützen. Hier ist anzumerken, dass zahlreiche Firmen die FZO nicht anbieten, obwohl der jeweilige Kollektiv- vertrag dies ermöglichen würde. Trotz der größtenteils positiven Evaluie- rung sollte auch bedacht werden, dass eine weitere Ausweitung der Frei- zeitoption auf andere Branchen nur begrenzt möglich ist. Da ein Unterschreiten des Mindestlohns nicht möglich ist, kann die Freizeitoption grundsätzlich nur von Beschäftigten beansprucht werden, deren Einkom- men über dem Mindestlohn liegen. Darüber hinaus ist die FZO auch keine Option für diejenigen, die sich aufgrund ihres geringen Einkommens einen Lohnverzicht nicht leisten können. Die hier behandelten AZV-Modelle zeigen, dass die aktuellen rechtli- chen Rahmenbedingungen bereits eine große Flexibilität und umfangrei- che Möglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung bieten. Dass die derzeitig be- stehende Arbeitszeitgesetzgebung erheblichen Spielraum für unter- schiedlichste Arbeitszeitmodelle zulässt, zeigt auch eine kürzlich veröf- fentlichte Studie des WIFO.36 Es stellt sich jedoch die Frage, welche Rolle betriebliche Initiativen zur AZV in einem breiteren gesellschaftspolitischen und ökonomischen Kon- text spielen. Um Arbeitszeitverkürzung für weite Teile der erwerbstätigen Bevölkerung zu realisieren, sind Vereinbarungen auf übergeordneten Ebenen eine wichtige Voraussetzung. Die Fallbeispiele haben gezeigt, dass die untersuchten Firmen entweder dem Hochlohnsektor angehören oder die ausbezahlten Löhne über der kollektivvertraglich vereinbarten Höhe liegen. Aus diesem Grund ist es für die Beschäftigten auch eher ver- tretbar, im Abtausch gegen mehr Freizeit auf einen Teil des Einkommens zu verzichten. In einigen Branchen, wie beispielsweise Einzelhandel oder Tourismus, sind die Löhne und Gehälter deutlich niedriger, sodass auch eine geringe Einkommensverringerung für Beschäftigte weniger leicht tragbar wäre. In diesen Bereichen müsste über Formen eines vollen Lohn- ausgleichs nachgedacht werden, um eine breitere Anwendung von AZV- Modellen zu ermöglichen. Des Weiteren handelt es sich bei den untersuchten Beispielen entweder um Industriebetriebe, die einen hohen gewerkschaftlichen Organisations- grad aufweisen, oder um kleine Dienstleistungsunternehmen, die durch flache Hierarchien gekennzeichnet sind und in denen verstärkt Wert auf eine gute Arbeitsatmosphäre gelegt wird. In diesen Betrieben ging die In- 199 43. Jahrgang (2017), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft