WEITERE HAUPTARTIKEL Wie könnte „gute“ Globalisierung aussehen? Kurt Bayer 1. Globalisierung verändert sich durch neue Technologien Unter Globalisierung sind der grenzüberschreitende Warenaustausch, globale Finanzströme, grenzüberschreitende Investitionen (Direktinvesti- tionen) sowie die Freizügigkeit von Personen zu verstehen. Die „vier Frei- heiten“ des EU-Binnenmarktes sind Ausdruck einer regionalisierten Glo- balisierung. Handel zwischen Ländern bedeutete lange Zeit Fortschritt (die Handel treibenden Länder wuchsen rascher als ohne Handel) durch die Wohl- fahrtssteigerungen, die durch den grenzüberschreitenden Verkehr von Waren und Dienstleistungen mit vollständigen Produkten ermöglicht wur- den. Diese Art von Handel machte auch die erste Globalisierungswelle aus, die mit dem Ersten Weltkrieg endete. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Globalisierung wieder fort. Diese Welle wurde charak- terisiert dadurch, dass das exportierende Land bzw. seine Unternehmun- gen den vollständigen skill-mix und die Technik für die Herstellung eines Endproduktes besaßen, also die gesamte Wertschöpfungskette in einer Hand, vielfach unter einem Dach war. (Die Nicht-Industrieländer lieferten im Gegenzug Rohstoff- oder Agrarprodukte.) Die zweite Welle der Globali- sierung, die etwa Mitte der Achtzigerjahre einsetzte und bis heute andau- ert (wenn auch offenbar in den letzten Jahren etwas schwächer), macht durch die extreme Verbilligung von Transportkosten, gepaart mit den mo- dernen Kommunikationsmitteln die grenzüberschreitende Zerlegung von Produktionsprozessen möglich. Damit werden globale Wertschöpfungs- ketten aufgebaut, wobei die einzelnen Produktionsschritte je nach Arbeits- kosten, Energie- und anderen Kosten, verfügbaren Arbeitskräften und Know-how in den jeweils „optimalen“ Standort verlegt werden. Baldwin (2016) argumentiert, dass diese „neue Globalisierung“ oder „Hyper-Globalisierung“ weniger durch den Handel von Produkten als 243 43. Jahrgang (2017), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft