re Handelsschranken oder etwa punitive Maßnahmen bei aktiven Direktin- vestitionen (angedroht von Donald Trump) zu umgehen. Dabei wie früher, als Auslagerungen begannen, auf Gewerkschaftsmacht als Interessen- vertretung der Arbeitnehmer in den Industrieländern allein zu bauen, ist sinn- und wirkungslos, da diese insgesamt geschwächt sind, aber auch versäumt haben, einen großen Teil der „Wissensarbeiter“ zu organisieren. Daher sind sie auch intern gespalten. Zwar sind unterschiedliche Interes- sen innerhalb der Arbeitnehmerschaft nichts Neues (man denke in Öster- reich an Interessenkonflikte zwischen Arbeitnehmern des Energiesektors und der energieverbrauchenden Sektoren, zwischen jenen des Finanz- und Realsektors etc.), doch ist Spaltung in einer Situation der Schwäche der Arbeitnehmervertretungen besonders gravierend. Es bedarf daher auch des Drucks großer Teile der Zivilgesellschaft, ei- nerseits Druck auf „Kostenwahrheit“ der Transport- und Umweltkosten des Handels auszuüben, die Regierungen dazu zu bringen, Unterneh- mungen zur Offenlegung über die Lukrierung der Gewinne der Globalisie- rung je Land zu bringen, Steuervermeidung und „aggressive Steuerpla- nung“ zu verhindern, adäquate Steuerleistungen von allen am Wirt- schaftsprozess Beteiligten einzufordern, und viele der „Freihandel“ propa- gierenden Dogmatiken in ihren Auswirkungen offenzulegen und darauf globale und heimische Politikvorschläge aufzubauen. Dies wird zwar nicht die Informationsflüsse innerhalb globaler Wertschöpfungsketten verhin- dern – und damit den gesamten Produktionsprozess wieder in das Land des Firmensitzes verlagern können, aber es wird die Voraussetzungen schaffen, die „Wissensbesitzer“, also Unternehmer und die hoch qualifi- zierten Wissensarbeiter, so zu besteuern, dass sie nicht wie bisher den größten Teil der dadurch geschaffenen Produktivitätsgewinne einstecken. Es geht dann darum, diese höheren Steuereinnahmen aus der Globalisie- rung dazu zu verwenden, einerseits aktive Bildungs- und Arbeitsmarkt- maßnahmen zur Umschulung zu finanzieren, aber andererseits jene, die aus dem Arbeitsprozess gänzlich herausfallen (oder nie in ihn hineinkom- men) so zu versorgen, dass ihre materielle Überlebensfähigkeit und damit ihre gesellschaftliche Akzeptanz sichergestellt sind. Konkret heißt dies neben Schulungen und besserer Ausbildung Ausbau des Wohlfahrtsstaa- tes. 8. Österreichs Rolle in der Globalisierung Österreich als kleine offene Volkswirtschaft mit überwiegend „mittlerem“ Technologieniveau,29 ist überwiegend „Nehmer“ innerhalb der globalen Wertschöpfungsketten, d. h. Zulieferer von Komponenten für die europäi- sche Automobil-, Maschinen- und Elektronikindustrie. Es kann aufgrund 252 Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2