dergärten, Training on the job) und günstigen Arbeitsbedingungen (Lohnniveau und Arbeitszeiten) genauso wie die öffentliche Hand (in- tensive Vermittlung durch das AMS, Übersiedlungshilfen, Schulbau, öf- fentlicher Verkehr, sozialer Wohnbau und Mietenregulierung) bemüht sein, die geeigneten Rahmenbedingungen bereitzustellen. Zugleich müssen die Arbeitslosen flexibel genug sein, diese Angebot auch anzu- nehmen, damit diese einmaligen Chancen für die Betroffenen und den gesamten Arbeitsmarkt nicht ungenützt bleiben. Der starken Ausweitung des Angebots an Arbeitskräften, die den hei- mischen Arbeitsmarkt über Jahre prägt, muss viertens mit innovativen Formen der Angebotspolitik begegnet werden. Seit mehreren Jahren verleihen die Gewerkschaften dem Thema der Verkürzung der durch- schnittlich geleisteten Arbeitszeit neues Augenmerk. Das mit gutem Grund, wenn man generell einen breiteren, nicht nur monetär bestimm- ten Wohlstandsbegriff im Auge hat oder spezifischer an die gesund- heitsgefährdenden Folgen überlanger Arbeitszeiten denkt. In diesem Sinn besteht die gewerkschaftliche Strategie darin, den Produktivitäts- spielraum für Wohlstandssteigerungen nicht nur in Form einer Real- lohnerhöhung, sondern auch in einer Verringerung der Arbeitszeit zu nutzen. Die Freizeitoption der Elektro- und Metallindustrie hat hier ge- meinsam mit neuen Schichtmodellen Vorreiterrolle erlangt. Arbeitszeit- politik sollte auch auf gesetzlicher Ebene in den kommenden Jahren neu gedacht werden, etwa was die Ausweitung des gesetzlichen Ur- laubsanspruchs oder die Eliminierung steuerlicher Fehlanreize betrifft. Gerechte Verteilung des Wohlstandes Die Verteilungssituation ist in Österreich im Vergleich mit den ande- ren EU-Ländern vor allem in Bezug auf die verfügbaren Einkommen (nach Abzug der Abgaben und unter Hinzurechnung von Sozialtrans- fers und sozialen Dienstleistungen) recht günstig. Das mediane Äqui- valenzgesamtnettoeinkommen zu Kaufkraftstandards, das das real verfügbare Einkommen des Haushalts in der Mitte der Gesellschaft darstellt und einen geeigneten Indikator zur Bewertung des materiellen Lebensstandards bildet, weist den zweithöchsten Wert der EU-28 auf (nach Luxemburg und vor Schweden). Neben dem relativ hohen BIP pro Kopf ist das vor allem den positiven Wirkungen des Sozialstaates auf den Lebensstandard zu verdanken: Österreich weist eines der stärksten Umverteilungsvolumen durch Abgaben und Sozialleistungen aller EU-Länder auf. Von konservativer Seite wird die Umverteilung oft beklagt, meist in rein ideologischer Absicht und ohne Kenntnis grundle- gender Fakten und Prinzipien des Sozialstaates. Das uninformierte Diktum, in den Sozialstaat würden nur wenige Leistungswillige einzah- 330 Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 3