Marktintegration eingeräumt werden. Erstere soll europaweit geltende soziale Mindeststandards festlegen und die Spielräume für höhere so- ziale Standards auf nationaler Ebene wieder erweitern. Europaweite Koordination muss Sorge tragen, dass ökonomische und soziale Un- gleichgewichte abgebaut und nationale Beggar-thy-neighbour-Strate- gien durch europäische Regeln unterbunden werden. Ohne eine Neu- ausrichtung der europäischen Wirtschaftspolitik kann es den Gewerk- schaften nicht gelingen, ihre Lohnpolitik dauerhaft der transnationalen Marktkonkurrenz zu entziehen. Der Lohnpolitik kommt im Rahmen einer inklusiven Entwicklungsstra- tegie eine Schlüsselrolle zu. Erforderlich sind: ? mittel- und längerfristig die Rückkehr zu einer produktivitätsorien- tierten Lohnpolitik bzw. überhaupt die Etablierung derselben; ? kurzfristig eine expansivere Lohnpolitik, welche die Abnahme der Lohnquote zumindest teilweise rückgängig macht; ? eine solidarische Lohnpolitik in dem Sinne, dass die Lohnunter- schiede zwischen den Branchen wieder reduziert, die Einkommen von NiedriglohnempfängerInnen überproportional angehoben wer- den – bspw. durch Mindestlohnpolitik – und die prekäre Beschäfti- gung zurückgedrängt wird; ? eine europaweite transnationale Koordination der Lohnpolitik1 mit dem Ziel einer produktivitätsorientierten Lohnpolitik, um den der- zeitigen Lohnsenkungswettbewerb zu beenden. Wie postkeynesianische ÖkonomInnen herausgearbeitet haben, im- pliziert eine Strategie lohngetriebenen Wachstums ein Entwicklungs- modell, in dem nachhaltiges, produktivitätsorientiertes Lohnwachstum die Nachfrageentwicklung treibt, und zwar erstens via Konsumwachs- tum, zweitens durch über Akzeleratoreffekte induziertes Investitions- wachstum und drittens durch Produktivitätswachstum, das endogenem technischen Fortschritt entspringt („Strukturpeitschen-Effekt“). Produktivitätsorientierte Lohnpolitik Worin bestehen die gesamtwirtschaftlichen Vorteile einer nationalen Lohnpolitik, die sich jeweils an der Teuerung (Veränderung des Ver- Wirtschaft und Gesellschaft 44. Jahrgang (2018), Heft 2 156 1 Das Editorial im Heft 3/2009 von WuG befasste sich u. a. mit dem Erfordernis trans- nationaler Koordination der Lohnpolitik in der EU, den Ansätzen unilateraler Koordi- nation durch die Gewerkschaften und den institutionellen Voraussetzungen für eine europaweite Koordinierung. Die Hindernisse, die eine derartige transnationale Koor- dination zu überwinden hat, sind seither eher noch höher geworden. Auf diese Hin- dernisse kann hier aus Platzgründen nicht näher eingegangen werden.