Zur Vermittlungsrolle von Massen- medien am Thema „Ungleichheit“. Die Piketty-Rezeption Andrea Grisold, Hendrik Theine 1. Einleitung In der Diskussion um Ungleichheitsfragen wird in den Sozialwissen- schaften viel Wert darauf gelegt, ebendieses Problemfeld quantitativ kor- rekt darzustellen und aufzuarbeiten. Beinahe unbeleuchtet bleibt in die- sem Forschungszweig aber, wie solche empirisch gewonnenen Ergebnisse dann an die Öffentlichkeit vermittelt werden, wie sich daher ein Bild der ökonomischen Ungleichheit1 bei Nicht-ExpertInnen bildet und – dies vor allem – wie ein solches Bild aussieht. Diese Fragen zu stellen, ist nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, da die Akzeptanz von Umvertei- lungsmaßnahmen stark mit dem Ungleichheitsbild korreliert.2 Exakt die- sem Fragenkomplex widmete sich ein vor Kurzem abgeschlossenes For- schungsprojekt, das in der Zeit zwischen Februar 2016 und Ende 2017, gefördert vom Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank, durchgeführt wurde: der Vermittlungsrolle und Mediationsfunktion von Massenmedien, exemplifiziert an ausgewählten europäischen Printme- dien, in Bezug auf das Thema der ökonomischen Ungleichheit. Hilfreich dafür war, dass in den Jahren 2014/2015 Thomas Pikettys Buch „Capital in the Twenty-First Century“3 zu einem Bestseller avancierte und somit eine untypisch intensive mediale Debatte um dessen spezifi- schen Inhalt, wie generell der Ungleichheitsproblematik, auslöste.4 Dieses weltweite Interesse an Piketty diente als Ausgangspunkt des Forschungs- projekts, das der Frage nachging, wie die mediale Rezeption von ökono- mischen Themen (anhand des Ungleichheitsthemas, und eben exemplifi- ziert an Pikettys Bestseller) vonstatten geht. Die Rezeption des Buches wurde in ausgewählten Printmedien aus vier Ländern untersucht. Metho- disch anleitend war dabei die Kritische Diskursanalyse, die sowohl die ma- nifesten als auch die latenten Bedeutungen und Strukturen in Texten zu analysieren ermöglicht. Weiters stellt die breite und kontroversielle Rezep- tion ein ideales Fallbeispiel dafür dar, wie die Intermediation zwischen wis- senschaftlichen Erkenntnissen und der Öffentlichkeit verläuft. 191 44. Jahrgang (2018), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft