keiten aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert und recht effizient ausgeführt werden. Eine Polarisierung des Arbeitsmarktes konnte bisher durch Up- grading, vor allem der heimischen Arbeitskräfte, verhindert werden.3 We- niger gern sieht die gegenwärtige Regierung die Mitgestaltungsrechte der Sozialpartner bei Gesetzgebung (Gesetzesbegutachtung), Verwaltung (z. B. AMS) und Gerichtsbarkeit (Laienrichter bei Arbeits- und Sozialge- richten) sowie die Selbstverwaltung der Sozialpolitik (Pensions-, Kranken- und Unfallversicherung).4 Zu den Aufgaben, die die Sozialpartner in der Vergangenheit erfüllten und die auch in Zukunft nicht leicht verzichtbar sein werden, gehört weiters ihre Think-tank-Funktion – viele Gesetze mit wirtschaftlichen Aspekten tragen die Handschrift der Sozialpartner – und ihr Beitrag zur Krisenbewäl- tigung: Erwähnt seien etwa die Einigung über Kurzarbeitzeit im Gefolge der Finanzkrise, das Sozial- und Lohndumpinggesetz oder die Steuerre- form zur Abfederung des Einbruchs im Gefolge der Finanzkrise. 2. Haben die Sozialpartner bei den Kollektivvertragsverhandlungen versagt? Eine erfolgreiche Regelung der Lohnbildung durch Kollektiverträge setzt neben einer hohen Abdeckungsrate auch die Allgemeingültigkeitserklä- rung (für Nicht-Mitglieder) voraus. Derzeit arbeiten in Österreich 95% aller Arbeitnehmer unter dem Schutz eines Kollektivvertrages, eine Abdec- kung, die ohne Pflichtmitgliedschaft kaum möglich wäre.5 Die Gegner der von ihnen so bezeichneten „Zwangs“mitgliedschaft übersehen, dass sie mit deren Abschaffung das gesamte System der Lohnbildung in Frage stellen.6 Die Kollektivvertragsverhandlungen sind zwangsläufig mühsam, von der Zahl her – von 860 Kollektivverträgen müssen jährlich 480 von den Sozial- partnern neu verhandelt werden – wie vom Zeitaufwand. Wenn der ein- gangs zitierte Journalist die Jahr für Jahr wiederholte Leier ? la Löwinger- Bühne und Paprikahendl ironisiert und kritisiert, dass die Metaller auch nach der fünften Lohnrunde nichts zusammengebracht hätten, versteht er das dahinter stehende raffinierte Ritual nicht: ein System, das die Sozial- partner mit erstaunlichem psychologischem Verständnis entwickelt haben, um trotz ihrer zwangsläufig antagonistischen Interessen die Wahr- scheinlichkeit von tragfähigen und sinnvollen Kompromissen zu erhöhen – und zwar ohne Gesichtsverlust der jeweiligen Gegenpartei. Um ein Schei- tern zu vermeiden, beginnt das Ritual mit einer „Fühlungnahme“, bei der man zunächst die gegenseitigen Interessen abtastet. Dann legt man je- weils eigene Vorschläge vor, die zunächst natürlich weit auseinanderlie- gen und demgemäß von der jeweiligen Gegenseite zurückgewiesen wer- den. Diese Vorgangsweise ermöglicht einen Lernprozess über die 222 Wirtschaft und Gesellschaft 44. Jahrgang (2018), Heft 2