BEGUTACHTETER ARTIKEL Arbeitsmarktinstitutionen, Kapital- akkumulation und Arbeitslosigkeit in OECD-Ländern Philipp Heimberger* 1. Einleitung Die Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009 zog in den meisten entwickel- ten Volkswirtschaften einen markanten Anstieg der Arbeitslosigkeit nach sich.1 In der Eurozone stieg die Arbeitslosenquote von 7,6% im Jahr 2008 auf 12% im Jahr 2013 an, um bis zum Jahr 2018 auf 8,4% abzusinken. Dabei waren die Unterschiede in der Arbeitsmarktentwicklung zwischen den Eurozonenländern erheblich.2 Obwohl die Arbeitslosenquoten in den entwickelten Volkswirtschaften nach dem krisenbedingt starken Anstieg wieder gefallen sind, verbleibt die Arbeitslosigkeit in mehreren Ländern weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau. Führen „Arbeitsmarktrigidi- täten“, also inflexible Arbeitsmarktinstitutionen, zu persistent hoher Ar- beitslosigkeit, vor allem in weiten Teilen Europas? Diese Frage spielte so- wohl in der akademischen Literatur als auch in den wirtschaftspolitischen Debatten der letzten Jahre eine prominente Rolle.3 Die Vorstellung, wo- nach die gestiegene Arbeitslosigkeit reduziert werden könne, indem die Arbeitsmärkte der betroffenen Länder dereguliert werden (z. B. durch Lo- ckerung von Arbeitsschutzbestimmungen, Dezentralisierung von Lohn- verhandlungen, Senkung von Mindestlöhnen etc.) hatte seit dem Aus- bruch der Krise erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik: Innerhalb Europas setzten insbesondere die südeuropäischen Länder umfassende Deregulierungsmaßnahmen ihrer Arbeitsmärkte durch, was zu intensiven Auseinandersetzungen mit deren makroökonomischen Effekten führte.4 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft 13 * Das Sozialministerium stellte finanzielle Mittel für die Forschung bereit, die diesem Papier zugrunde liegt. Der Autor dankt Mario Holzner, Armon Rezai, Robert Stehrer, einem anonymen externen Begutachter sowie den TeilnehmerInnen an der Young Eco- nomists Conference 2018 in Wien für wertvolle Hinweise und Kommentare. Alle verblie- benen Fehler sind meine eigenen.