rücksichtigt werden. Dementsprechend ist bereits vielfach festgehalten worden, dass die bestehende ökonometrische Evidenz keine klare Unter- stützung für die Sichtweise liefert, wonach Arbeitsmarktinstitutionen den Kern der Arbeitslosigkeitsprobleme in den OECD-Ländern zwischen den späten 1970er- und 1990er-Jahren ausmachten.15 Die ökonometrische Literatur zu den Determinanten von Arbeitslosigkeit fokussiert darauf, Verschiebungen in Arbeitslosenquoten quer durch die OECD-Länder zu erklären, indem Arbeitsmarktinstitutionen – z. B. Ar- beitsschutzbestimmungen, Steuerkeil, Mindestlöhne, gewerkschaftlicher Organisationsgrad – als erklärende Variablen benützt werden. Nachdem eine Mehrzahl an Studien keinen bedeutenden Zusammenhang zwischen gängigen Maßzahlen für Arbeitsmarktregulierung und Veränderungen in „struktureller“ Arbeitslosigkeit gefunden hatte,16 begannen ForscherInnen zusätzliche Kontrollvariablen, die alternative Erklärungen für Veränderun- gen in der Arbeitslosigkeit abdecken, in ihren Regressionsanalysen zu be- rücksichtigen. Im Speziellen kontrollieren Blanchard und Wolfers (2000) für makroökonomische Schock-Variablen (langfristige Realzinsen, Abwei- chungen vom Trendwachstum der Totalen Faktorproduktivität sowie Änderungen in der Arbeitsnachfrage). Dabei unterstreichen sie die Bedeu- tung der Beziehung zwischen makroökonomischen Schocks und Arbeits- marktinstitutionen – ähnlich wie jüngere Literatur, die ebenfalls die Wich- tigkeit von Interaktionstermen betont.17 Andere Studien, darunter Arestis et al. (2007) sowie Stockhammer und Klär (2011), bringen das keynesianische Argument ins Spiel, wonach die wichtigste Variable zur Erklärung von Arbeitslosigkeit nicht die Struktur der Arbeitsmarktinstitutionen, sondern die Formation des Kapitalstocks sei; damit erlangt die Entwicklung der gesamtwirtschaftlich getätigten Investi- tionen eine entscheidende Rolle für die Bestimmung von Arbeitslosigkeit. Deshalb kontrollieren diese Studien für Kapitalakkumulation, die Verände- rungen im Kapitalstock abbildet, als hauptsächliche erklärende Variable. Andere AutorInnen, darunter Bassanini und Duval (2006), inkludieren wie- derum besonders prominent eine Variable, die Änderungen in den Aus- tauschverhältnissen (Terms of Trade) abbildet, weil sie argumentieren, dass „Schocks“ der Terms of Trade die inländische Beschäftigung beein- flussen: Die Erwartung ist, dass ein relativer Anstieg der Preise von Impor- ten einen positiven Effekt auf die inländische Beschäftigung hat (und vice versa). Die empirische Analyse dieses Artikels trägt in mehrerlei Hinsicht zur be- stehenden Literatur bei. Erstens überwindet sie ein Manko der meisten be- stehenden Studien, die entweder die Rolle der Kapitalakkumulation und anderer makroökonomischer Variablen als alternative Erklärungshypothe- sen vernachlässigen oder nur wenige institutionelle Arbeitsmarktvariablen berücksichtigen. Dieses Problem wird durch einen umfassenden Daten- 18 Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1