der Arbeitslosenquote verworfen werden können. Drittens verwenden wir eine Variable für Veränderungen in den Terms of Trade. Viertens berück- sichtigen wir die langfristigen Realzinsen. Zu beachten ist, dass es sich bei unserem Datensatz um unbalancierte Panel-Daten handelt. Welche Vorzeichen sollten wir von diesen erklärenden Variablen, deren Einfluss auf die Arbeitslosigkeit geschätzt werden soll, auf der Basis von theoretischen Überlegungen erwarten? Die Mainstream-Literatur zu den Determinanten von Arbeitslosigkeit betont die dominante Rolle von Ar- beitsmarktinstitutionen zur Erklärung von Arbeitslosigkeit. In diesem Kon- text erwarten Studien wie Nickell (1998), IWF (2003) und Bassanini und Duval (2006) jeweils, dass die Variablen Arbeitsschutzbestimmungen, Ar- beitslosenunterstützung, gewerkschaftlicher Organisationgrad, Mindest- lohn und Steuerkeil jeweils ein positives Vorzeichen aufweisen, das heißt die Arbeitslosigkeit nach oben drücken. Die dahinter stehende Begrün- dung verweist darauf, dass schützende Arbeitsmarktinstitutionen die Ver- handlungsposition der unselbstständig Beschäftigten im Lohnverhand- lungsprozess stärke und dadurch eine marktineffiziente Verzerrung verursache; zudem würden diese Arbeitsmarktinstitutionen den Willen und die Kapazität von Arbeitslosen zur Akzeptanz von Lohnkürzungen reduzieren – und all das führt in der Mainstream-Literatur dazu, dass „Lohnrigiditäten“ die Funktionsweise der Arbeitsmärkte hemmen und da- durch die Arbeitslosigkeit erhöhen. Es ist zu betonen, dass die Effekte die- ser Arbeitsmarktinstitutionen – Arbeitsschutzbestimmungen, Arbeitslo- senunterstützung, gewerkschaftlicher Organisationsgrad, Mindestlöhne und Steuerkeil – auf die Arbeitslosigkeit umstritten bleiben. Zahlreiche Studien entwickeln theoretische Argumente, wonach bestimmte „Arbeits- marktrigiditäten“ hilfreich seien, um die Erwartungen von ArbeitnehmerIn- nen und ArbeiterInnen zu stabilisieren, was wiederum die Arbeitsprodukti- vität, die technologische Entwicklung und die aggregierte Nachfrage fördere, und damit auch zu einer stabilen gesamtwirtschaftlichen Entwick- lung beitrage.21 In dieser Studie legen wir für die ökonometrischen Schät- zungen bezüglich der Effekte von Arbeitsmarktinstitutionen auf die Ar- beitslosigkeit jedoch die theoretischen Erwartungen der Mainstream- Literatur zugrunde, um diese einem Test zu unterziehen. Im Gegensatz zu den anderen institutionellen Arbeitsmarktvariablen besteht die theoreti- sche Erwartung, dass Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik die Arbeits- losigkeit senken, weil sie die Matching-Effizienz verbessern und so das Ausmaß von „Arbeitsmarktrigiditäten“ reduzieren.22 Als alternative Hypothese zur Erklärung von Arbeitslosigkeit führen wir die Kapitalakkumulation, die Veränderungen im Kapitalstock abbildet, als Variable ein. Dabei ist die theoretische Erwartung, dass ein Sinken der Ka- pitalakkumulation, bedingt durch einen Rückgang der Investitionen, einen Anstieg der Arbeitslosigkeit verursacht. Neben diesem Wirkungskanal 20 Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1