berichtet werden) dazu in der Lage sind, 74,2% der Variation in der Ar- beitslosenquote zu erklären. Diese Ergebnisse aus der ersten Spalte von Tabelle 3 legen nahe, dass Variationen in der Arbeitslosenquote jedenfalls nicht ausschließlich durch Arbeitsmarktinstitutionen und Produktivitätswachstum zu erklären sind. Deshalb führen wir in Modell (2) die Kapitalakkumulation sowie die lang- fristigen Realzinsen als zusätzliche Kontrollvariablen ein. Damit testen wir alternative Hypothesen hinsichtlich der Determinanten von Arbeitslosig- keit. Die Berücksichtigung dieser zwei zusätzlichen Kontrollvariablen er- höht das angepasste R2 auf 78,8%. Der Koeffizient der langfristigen Real- zinsen hat ein positives Vorzeichen und ist hoch signifikant. Dies verweist darauf, dass ein Anstieg in den langfristigen Realzinsen mit einer erhöhten Arbeitslosigkeit in Verbindung steht. Wie in der relevanten postkeynesiani- schen Literatur erwartet wird,31 steht die Kapitalakkumulation in negativem Zusammenhang mit der Arbeitslosenquote und ist statistisch hoch signifi- kant. Der Koeffizient besagt, dass ein Anstieg im Verhältnis der realen Bruttoanlageinvestitionen zu dem realen Nettokapitalstock um einen Pro- zentpunkt die Arbeitslosenquote um 0,4 Prozentpunkte reduziert. Im Ver- gleich zu Modell (1) ändert sich die Größe der Koeffizienten der institutio- nellen Arbeitsmarktvariablen in Modell (2) zu jeweils unterschiedlichen Graden. Die geschätzte Richtung des Zusammenhangs bleibt jedoch für alle AMI-Variablen gleich – mit der Ausnahme der Arbeitsschutzbestim- mungen, für die sich das Vorzeichen dreht. Der gewerkschaftliche Organi- sationgrad ist jedoch die einzige Arbeitsmarktvariable, die in Modell (2) noch statistische Signifikanz aufweist. Modell (3) ist das gleiche wie Modell (2), aber mit einem entscheidenden Unterschied, weil nunmehr keine jährlichen Daten, sondern Fünfjahres- Durchschnitte verwendet werden. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, das wir Fünfjahres-Durchschnitte verwenden, um den Großteil der kurzfristigen zyklischen Effekte zu eliminieren, was verlässlichere kau- sale Interpretationen ermöglichen soll. Die Ergebnisse in Modell (3) bestä- tigen die wichtigsten bisherigen Resultate: Die langfristigen Realzinsen und die Kapitalakkumulation haben das auf Basis der Theorie erwartete Vorzeichen und sind (hoch) signifikant. Nach der Bildung von Fünfjahres- Durchschnitten bleibt jedoch keine einzige statistisch signifikante AMI-Va- riable übrig. In Modell (4) testen wir die Robustheit der bisherigen Schätzungen, indem wir den „First-Difference“-Schätzer verwenden, also Veränderun- gen in den Arbeitslosenquoten auf Veränderungen in den Kontrollvaria- blen regressieren. Dabei wird deutlich, dass die zentralen Regressionsre- sultate Bestätigung finden. Der Koeffizient der langfristigen Zinsen ist jedoch nun kleiner und weniger signifikant. Aktive Arbeitsmarktpolitik und das Arbeitslosengeld weisen jeweils einen statistisch signifikanten Para- 24 Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1