Vorzeichen aufweist und statistisch signifikant ist. Dieses grundlegende Bild ändert sich auch nicht, wenn wir den „First-Differences“-Schätzer ver- wenden (basierend auf jährlichen Daten in Modell [4] und auf Fünfjahres- Durchschnitten in Modell [5]): Wir bestätigen, dass Kapitalakkumulation eine signifikante Determinante der NAIRU darstellt, während die institutio- nellen Arbeitsmarktvariablen großteils als erklärende Variablen nicht die aus der Mainstream-Theorie erwartete Signifikanz aufweisen. Als Neben- bemerkung sei darauf verwiesen, dass diese Ergebnisse weitere Evidenz dafür liefern, dass breit genützte NAIRU-Schätzungen eine fragwürdige Näherungsgröße für „strukturelle“ Arbeitslosigkeit darstellen,40 weshalb diese Schätzungen nur mit größter Vorsicht als Maß für die Kapazitätsaus- lastung an den Arbeitsmärkten genützt werden sollten. Tatsächlich sind diese auf statistischen Filtermodellen basierenden NAIRU-Schätzungen zu einem erheblichen Anteil durch makroökonomische Faktoren determi- niert, sodass eine simple „strukturelle“ Interpretation zu erheblichen Fehl- informationen im wirtschaftspolitischen Entscheidungsprozess und zu suboptimaler makroökonomischer Politik führen kann.41 5.3 Lag-Spezifikationen, Interaktionsterme und Variationen in der Ländergruppe Als dritten Schritt in der Robustheitsanalyse untersuchen wir, ob die Ein- führung von Lags – das heißt: zeitlich verzögerten Kontrollvariablen – die Regressionsergebnisse ändert. Denn es lässt sich argumentieren, dass Arbeitsmarktinstitutionen die („strukturelle“) Arbeitslosigkeit möglicherwei- se erst mit zeitlicher Verzögerung beeinflussen. Wir verwenden die Spezi- fikationen in Tabelle 3 als Referenzpunkt. Tabelle 6 zeigt die Schätzergeb- nisse der Lag-Spezifikationen für den Zeitraum 1985-2011. Dabei zeigen die Spalten (1)-(3) die Resultate basierend auf jährlichen Daten, die Spal- ten (4)-(6) beruhen hingegen auf Fünfjahres-Durchschnitten. In den Mo- dellen (1) und (4) inkludieren wir Lags für alle Arbeitsmarktvariablen, um dem Argument Rechnung zu tragen, dass institutionelle Veränderungen sich erst mit zeitlicher Verzögerung auf die Arbeitslosenquote auswirken können. Diese Hypothese ist jedoch auf der Basis unserer Daten nicht haltbar. Denn die Koeffizienten und Standardfehler der Kapitalakkumulati- on und der langfristigen Realzinsen bleiben nach der Einführung von AMI- Lags weitgehend unbeeinflusst (wenngleich der Koeffizient der langfristi- gen Zinsen in Modell (4) seine statistische Signifikanz verliert). Gleichzei- tig haben die institutionellen Arbeitsmarktvariablen entweder a) ein Vor- zeichen, das nicht mit der theoretischen Mainstream-Erwartung konsistent ist, b) weisen keine statistische Signifikanz auf, oder c) ihr Einfluss ist nicht robust gegenüber unterschiedlichen Modellspezifikationen. Wir setzen fort, indem wir in den Modellen (2) und (5) Lags für Kapitalakkumulation 30 Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1